narrenfrei-Podcast #9: Gut leben in Zeiten von Corona

Wie wir die Krise emotional meistern – und damit sogar unser Leben verbessern können

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Alles deutet darauf hin, dass die Coronakrise unsere Gesellschaft nicht nur in den nächsten Wochen, sondern weit darüber hinaus prägen wird. Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht, wie wir uns auf emotionaler und sozialer Ebene für die zu erwartenden radikalen Änderungen in unserem Leben wappnen können.

Das Virus führt uns unser Scheitern und das Scheitern unserer Lebensentwürfe vor Augen, unsere Machtlosigkeit und Unbedeutsamkeit, aber auch das Scheitern der politischen und sozialen Verhältnisse. Unser Wirtschaftssystem wird wieder einmal krachen gehen, und es wird wieder einmal versuchen, Demokratie und Sozialstaat vor sich in den Abgrund zu stürzen.

Gleichzeitig entsteht im Angesicht der Bedrohung und der versperrten Türen von Schulen, Büros und Einkaufszentren etwas, was zuletzt fast undenkbar schien: Eine Fülle an Solidarität, Mitgefühl und Lebenswillen unter vielen Menschen im Umgang mit der Krise.

Um zu verstehen, wie man mit dem Phänomen des Scheiterns gut umgehen kann, habe ich mich mit dem Archetypus des Clowns beschäftigt, der sich dadurch auszeichnet, dass er ständig scheitert, fällt und verliert – und immer wieder aufsteht und weitermacht. Wir lachen über gute Clowns (denken wir an Charlie Chaplin) vor allem deshalb, weil wir unser eigenes Scheitern in ihnen wiedererkennen. Lachen ist nichts anderes als eine spontane Muskelentspannung. Es entspannt uns zu sehen, wenn jemand mit Humor und Leichtigkeit mit Dingen umgeht, unter denen wir leiden. Wenn jemand akzeptiert hat, dass weder er noch die Welt perfekt sind, und nach den schlimmsten Verlusten mit voller Kraft weitermacht.

Was können wir daraus für den Umgang mit der Coronakrise lernen? Hier ein paar Anregungen dazu:

1. Akzeptiere dich und andere – so wie ihr seid

Egal ob du jetzt mit deiner Partnerin oder deinem Partner, deiner Familie, deinen Mitbewohner*innen oder vielleicht sogar allein isoliert lebst: Glückwunsch! Das wird noch mehrere Wochen, vielleicht Monate so bleiben. Und es wird dich zu etwas zwingen, was du bisher möglicherweise vermieden hast – was dir aber weit über die Krise hinaus nützen kann: Dich und deine Mitmenschen so zu akzeptieren wie ihr seid. Denn wenn ihr einander nicht mehr ausweichen könnt, dann könnt ihr auch jenen in der Psychologie so genannten Persönlichkeitsanteilen nicht mehr ausweichen, die ihr an euch selbst oder anderen ablehnt oder die nicht so gerne sehen wollt.

Wir alle haben unterschiedliche innere Anteile, Charakterzüge, Identitäten. Das, was wir „ich“ nennen ist auch bei Menschen ohne psychische Erkrankungen keine homogene, permanente, in sich abgeschlossene Persönlichkeit. Ein Mensch, der von seiner Umwelt als friedlich eingeschätzt wird, kann zum Beispiel sehr aggressive Seiten haben. Er hat aber gelernt, sie zu verbergen, weil er die Erfahrung gemacht hat, damit nicht gut anzukommen. Jemand, der extrovertiert auftritt, kann sehr schüchtern und ängstlich sein, ein nach außen hin fröhlicher Mensch depressiv. Wir alle haben von Kindheit an internalisiert, welche unserer Persönlichkeitsanteile mit Zuneigung und gesellschaftlichem Erfolg belohnt werden – und welche wir glauben verbergen zu müssen.

Jetzt, wo wir gezwungen sind, tagaus tagein mit anderen und auch mit uns selbst 24 Stunden am Tag ohne Ausweichmöglicheiten zu verbringen, werden diese verdrängten Anteile sichtbar werden. Und wir werden merken, dass wir sie nicht einfach wegmachen können, indem wir mit diesen Anteilen in Konflikt gehen. Wir können sie nur zivilisieren, also erträglich machen, indem wir sie akzeptieren und den dahinterliegenden Bedürfnissen zugrunde gehen. Diese haben meist mit dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Akzeptanz und Geborgenheit zu tun, und indem wir diese Grundbedürfnisse sichtbar machen, können wir einen sozial verträglichen, liebe- und rücksichtsvollen Umgang damit lernen.

Wir werden lernen müssen, dass wir die Menschen, mit denen wir zusammenleben, nicht verändern können, indem wir bestimmte Charakterzüge die uns stören an ihnen ablehnen. Dasselbe gilt auch dir selbst gegenüber – immerhin bist du der einzige Mensch mit dem du wohl oder übel ein Leben lang zusammenleben musst! Erst wenn wir einander so nehmen wie wir sind können wir gemeinsam möglichst großzügige und liebevolle Verhaltenregeln für ein gutes Zusammenleben vereinbaren.

Und das ist etwas, was unsere Beziehungen auch über die Zeit der Pandemie hinaus erheblich verbessern kann. Der ideale Zeitpunkt, ein für alle mal damit aufzuhören deine*n Partner*in ständig aufzufordern, die Zahnpastatube zuzuschrauben oder nicht mehr neben dir zu furzen, ist jetzt!

2. Mit Humor durch die Krise

Musstest du beim letzten Satz lachen? Gut so. Lachen ist die beste Krisenbewältigungsstrategie. Wenn wir über Bedrohungen, Situationen und Ängste lachen können, verlieren sie emotional gesehen ihre Macht über uns. Wenn wir über uns selbst, über unsere Unzulänglichkeit und Lächerlichkeit, lachen können, haben wir uns als eben nun mal nicht perfekte Menschen akzeptiert und können auch die Unzulänglichkeit unserer Mitmenschen akzeptieren.

Außerdem schützt uns Humor auch physisch vor dem Virus. Die Gelotologie, also die medizinische Lachforschung, bestätigt, dass Lachen das Immunsystem und die Durchblutung verbessert. Schmerzpatient*innen würden nach wenigen Minuten Lachen stundenlange Erleichterung erfahrern. Außerdem wirkt Lachen gegen Stress, Verstopfung, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit und fördert die Kreativität.

Um lachen zu können, muss man übrigens nicht lustig sein. Es reicht, so zu sein wie man ist – also inklusive der eigenen Idiotie, Bedürftigkeit und Verletzlichkeit, dann gibt es genug zu lachen. Womit wir wieder bei der Akzeptanz wären.

3. Akzeptiere die Realität

Das Virus ist da. Es wird (Stand Ende März) voraussichtlich noch schlimmer. Die Einschränkungen werden noch länger dauern, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen noch sehr sehr lange. Es werden noch mehr Menschen sterben, schlimmstenfalls auch solche die uns nahe stehen. Es ist besser, die Realität zu akzeptieren. Weil wir uns dann darauf vorbereiten und bestmöglich damit umgehen können.

Verluste, auch Krankheit und Tod, sind Teil unserer Existenz, mit oder ohne Corona. Wir sollten alles tun, um uns und unsere Mitmenschen vor existenziellen Verlusten zu schützen, also jedenfalls alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen einhalten. Wir sollten uns aber gleichzeitig bewusst machen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Je mehr wir akzeptieren, dass uns geliebte Menschen verlassen können – und das kann jederzeit passieren, mit oder ohne Corona – desto mehr werden wir darauf achten, dass sie bis dahin in jeder Sekunde unsere Liebe spüren. „Man liebt nicht wirklich, solange man nicht an den Tod denkt“, sagt der brasilianische Schriftsteller Nelson Rodrigues. Probier es aus. Denk an an die Möglichkeit, dass eine dir nahestehende Person morgen nicht mehr unter uns weilen könnte. Du wirst das dringende Bedürfnis verspüren, sie anzurufen und ihr zu sagen wie sehr du sie liebst. Tu es, jetzt gleich!

4. Pflege Beziehungen. Wenn du meinst keine zu haben ist jetzt die ideale Zeit welche aufzubauen.

Womit wir zum wichtigsten Punkt kommen. Viele von uns leben nicht erst seit der gesetzlichen Einschränkung der Bewegungsfreiheit isoliert. Menschen, die in Einsamkeit leben, Paare, die seit Jahren nicht mehr wirklich miteinander reden, Eltern, die im Alltagsstress keine Zeit für ihre Kinder haben, eine auf Konkurrenz und Ellbogentechnik getrimmte Gesellschaft, die Individualismus mit Freiheit verwechselt und den Gedanken an Solidarität, Freundschaft und Großzügigkeit vernachlässigt. In der Krise merken wir auf einmal, dass genau das – Solidarität, Freundschaft und Großzügigkeit – das Einzige ist was bleibt wenn sonst nichts mehr da ist.

Ich glaube wahrzunehmen, dass genau diese Werte momentan wieder zunehmen. Jüngere, die Einkäufe für ältere Nachbar*innen erledigen. Menschen, die beginnen uneigennützig zu teilen, zu helfen und Trost zu spenden. Lange nicht gesehene Bekannte und Freund*innen, die plötzlich anrufen und ehrlich wissen wollen wie es einem geht.

Wir sollten ihnen ehrliche Antworten geben. Denn in der Krise macht es keinen Sinn mehr, uns zu verstellen, nur um uns keine Blöße zu geben. Es macht keinen Sinn mehr, unsere Verletzlichkeit nicht zu zeigen.

Verletzlichkeit, also die Fähigkeit unsere Scham zu überwinden und die eigene Gefühlslage auch dann zu zeigen wenn es mal nicht so rund läuft, ist nach Recherchen der US-Autorin Brené Brown die Grundlage für funktionierende Beziehungen aller Art. Wer ihren TED-Talk „Die Kraft der Verletzlichkeit“ nicht kennt: Gibt’s auf Youtube, anschauen!

Apropos Scham überwinden: Menschen, die einsam sind, schämen sich meist für ihre Einsamkeit – was es ihnen wiederum unmöglich macht, sie zu überwinden. Und natürlich leiden diese Menschen jetzt besonders unter der Isolation.

Wenn du so jemanden kennst: Ruf an! Und wenn du selbst so jemand bist? Mach dir bewusst, dass gerade alle mehr oder weniger in der Scheiße stecken. Es braucht sich also gerade wirklich niemand dafür genieren dass es ihm oder ihr schlecht geht. Und deshalb war die Chance, dass dein An- oder Hilferuf auf Verständnis oder sogar Willkommen trifft, nie größer als jetzt. Nütze sie, bevor die Krise vorbei ist und viele wieder in ihre individualistischen Alltagsmuster zurückfallen! Ruf dein Telefonverzeichnis durch, sprich – mit zwei Metern Entfernung – Fremde an! In dieser Krise können Freundschaften und Beziehungen entstehen, denen du im sogenannten Normalzustand nie eine Chance gegeben hättest. Und sie werden vielleicht sogar glücklicher und nachhaltiger sein, denn sie sind bereits krisenerprobt.

5. Entwickle Mitgefühl

Ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren von Beziehungen welcher Art auch immer ist Mitgefühl. Nicht zu verwechseln mit Mitleid! Mitgefühl bedeutet die Bereitschaft, Empfindungen anderer nachzuempfinden. Es bedeutet NICHT sie zu bewerten, es bedeutet auch nicht, dass ich die Probleme der betreffenden Person lösen muss und vor allem nicht, dass ich ihr ungebetene Ratschläge geben soll. Mitgefühl ist eng mit Akzeptanz verknüpft: Ich sehe wie es dir geht, und es macht was mit mir.

Mitgefühl beginnt mit dem Mitgefühl mit dir selbst. Nur wenn ich mich und meine Bedürfnisse sehe und akzeptiere, kann ich auch andere und ihre Bedürfnisse sehen und akzeptieren. Und dadurch entsteht Verbindung, Verbundenheit, Beziehung. Bedürfnisse sehen und akzeptieren bedeutet übrigens nicht, sie erfüllen zu müssen. Häufig kann oder will ich ein Bedürfnis nicht erfüllen, ich muss es dafür aber nicht verurteilen.

Leider haben wir gelernt, uns und andere dauernd zu beurteilen oder zu bewerten. Weil wir selbst, seit frühester Kindheit an, immer wieder bewertet werden. Ich rate Klient*innen, die darunter leiden, sich oder anderen gegenüber immer zu kritisch zu sein, zunächst mal nur eine Bewertung zu treffen: „Interessant“. Fortgeschrittene dürfen dann noch eine zweite Bewertung zum Einsatz bringen: „Lustig“. Probier das mal in einer Situation aus, in der du dich über deine Mitbewohner*innen ärgerst (zur Erinnerung: ihr seid jetzt wochenlang 24/7 miteinander eingesperrt)! Du wirst bald merken, wie viel Energie du mit dieser dauernden Bewertungsmanie vergeudest und wie viel Mitgefühl entsteht wenn du damit aufhörst.

Oder mach folgende Übung mit deinen Mitbewohner*innen: Stellt euch zu zweit gegenüber und legt eine angenehme Musik auf die zwei bis drei Minuten dauert. Während dieser Zeit sagt jeweils eine Person der anderen alles was er oder sie liebt. Alles, was euch einfällt, ohne Nachdenken und Selbstzensur. Frühling, Sonne, meine Mama, Apfelstrudel, und so weiter. Die andere Person darf das niemals kommentieren oder weitererzählen. Dann wechselt ihr. Und danach macht ihr das Gleiche mit allem was ihr überhaupt nicht mögt. Es werden euch dabei Dinge einfallen, die ihr noch nie jemandem gesagt habt, Dinge, die euch peinlich sind, existenzielle Dinge oder ganz banale. Und ihr werdet ebensolche Dinge hören. Und ihr werdet, egal ob diese ähnlich oder ganz unterschiedlich sind, merken: Ihr seid nicht allein. Wir sind nicht allein! Wir sind in dieser Krise nicht allein und wenn wir sie zu nützen wissen, werden wir auch nachher nicht mehr allein sein.

6. Raus aus der Negativspirale!

Und wenn es kracht? Wenn euch aufgrund des erzwungen Zusammenlebens der Lagerkoller erwischt? Wenn dir die Nähe deiner Mitbewohner*innen die Atemluft raubt? Wenn das mit der Akzeptanz zwar schöne Theorie ist, aber gerade Hassgefühle hochkommen?

Aus der Konfliktforschung wissen wir, dass wir aus Eskalationen so früh wie möglich aussteigen sollen, weil die höheren Eskalationsstufen immer schwerer zu verlassen sind. Versuch das, möglichst schnell, auch wenn glaubst im Recht zu sein. Ihr braucht eure für Streitereien verschwendeten Energien jetzt dringender, und ihr seid aufeinander angewiesener als bisher.

Eine Eskalationsstufe muss in jedem Fall tabu bleiben: Die der Gewalt. Wenn dir solche angetan wird, mach unmissverständlich klar, dass du Gewalt unter keinen Umständen tolerierst. Hol dir Hilfe, welcher Art auch immer. Bleib mit Gewalterfahrungen nicht allein! Und schreite ein, wenn du den Verdacht hast, dass anderen Gewalt angetan wird.

Sprich über deine Bedürfnisse und Ängste. Übe dich in Verletzlichkeit. Übe dich in Verzeihung. Verzeihe Fehler! Auch dir selbst! Lobe, mehrmals täglich, auch dich selbst! Bedanke dich, mehrmals täglich, auch bei dir selbst! Sei dankbar, dass du am Leben bist.

Und was, wenn euch die Ängste und der pessimistische Umgang deiner Nächsten mit der Krise belasten? Versuche, empathisch damit umzugehen, also zu zeigen dass du sie nachempfinden kannst, aber lass sie dir nicht überstülpen. Grenze dich unter Hinweis auf deine eigenen Bedürfnisse ab, ohne die Bedürfnisse des Gegenübers schlechtzureden. Die kanadische Clownlehrerin Sue Morrison sagt dazu: „Stülpe nie anderen deinen Dreck über. Und lass nie zu, dass andere dir ihren Dreck überstülpen!“

Dasselbe gilt für den Umgang mit Medien aller Art. Wenn wir jeden Dreck auf Facebook lesen, aber auch wenn wir rund um die Uhr katastrophale Nachrichten über Corona konsumieren, werden wir uns bald wie Dreck fühlen und von Angst und Verunsicherung überwältigt.

7. Freunde dich mit deiner Angst an

Das heißt übrigens nicht, dass wir unsere Angst unterdrücken sollen. Sie ist nämlich höchst nützlich – sie hilft uns dabei, vorsichtig zu sein und uns zu schützen. Ohne sie würden wir unsinnige Gefahren eingehen. Sie soll uns nur nicht lähmen. Damit sie uns nicht lähmt, müssen wir ihre Schutzfunkton anerkennen sie als freundschaftliche Begleiterin akzeptieren: Wenn du dich von deinen Ängsten überwältigt fühlst, sprich über sie. Du kannst auch MIT ihnen sprechen: Gib ihnen Kosenamen, verkörpere sie mit einem Stofftier, zähme sie, dann verlieren sie ihren Schrecken.

8. Genieß das Leben

„Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mit Freuden ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther gesagt haben. Der Spruch stammt zwar wahrscheinlich nicht von ihm, dennoch: Wer sagt, dass man nicht auch den Ausnahmezustand genießen kann? Etwa die Tatsache, dass ihr jetzt möglicherweise mehr Zeit mit- und füreinander habt. Die Tatsache, dass ihr diese Zeit nicht mehr mit Konsumieren, sondern mit Müßiggang und anderen sinnstiftenden Tätigkeiten verbringen könnt. Oder die Tatsache, dass die Einschränkungen durch die Krise dazu geführt haben, dass sich vielerorts die Umwelt erholt hat und die Luft sauberer geworden ist.

Apropos: Geh so viel wie möglich in die Natur – zumindest solange das (hoffentlich) erlaubt bleibt. Das ist das beste Mittel gegen den Lagerkoller zuhause. Ernähre dich jetzt besonders gut und gesund, mach jetzt besonders regelmäßig Bewegung. Viele kleine Studios bieten jetzt online Yoga- und Fitnessstunden an, das ist auch eine Möglichkeit miteinander in Kontakt zu kommen.

All das stärkt nicht nur deine körperliche Widerstandskraft, sondern auch dein geistiges Wohlbefinden und deine Resilienz, also die Fähigkeit, herausfordernde Situationen emotional unbeschadet zu überstehen. Falls du ohnehin schon immer zu rauchen aufhören wolltest: Warum nicht jetzt? Ich weiß, viele sehen Rauchen als Mittel zur Krisenbewältigung, aber es ist auch einer der gravierendsten Faktoren für die vom Virus ausgelösten Lungenerkrankungen. Und wer schon mal den Versuch gestartet hat und rückfällig wurde weiß, dass das häufig im geselligen Beisammensein mit anderen Raucher*innen passiert. Das fällt jetzt mal für längere Zeit flach, also nütze diese Zeit!

Teile. Alles wovon du jetzt vielleicht merkst dass du es ohnehin im Überfluss hast: Expertise, Zeit, Geld, Essensvorräte, Sorgen, Ängste, Freude, Glück, Ideen. Je mehr du teilst, desto mehr wirst du Genuss daran finden.

Nütze diese Zeit überhaupt so gut wie möglich für Dinge die dir Spaß machen. Vielleicht gelingt es dir gerade jetzt, wo vieles wegbricht, dir mehr davon zu erlauben. Nütze sie, um zu erkennen was dir wichtig ist. Stell dir die Wunderfrage: Nimm ein Datum in der Zukunft, zum Beispiel in einem Jahr. Stell dir vor, du wachst an diesem Tag auf und merkst, dass alles gut ist, privat und beruflich. Woran merkst du das? Wie fühlt sich das an? Was hat sich geändert? Und was kannst du heute, in den nächsten Wochen und Monaten selbst dazu beitragen, damit dieses „Wunder“ in einem Jahr Wirklichkeit wird?

9. Übernimm Verantwortung

Wir sind voneinander abhängig, wir stehen alle miteinander in Verbindung, und zwar weltweit. Kaum je zuvor wurde das so vielen Menschen bewusst wie durch – oder soll ich sagen: dank? – dieser Krise. Das Virus überwindet nationalstaatliche Grenzen, es befällt Reiche und Arme, auch wenn die Folgen davon Letztere wieder einmal härter treffen. Wenn wir füreinander nicht Verantwortung übernehmen kann das böse Folgen haben, das erleben wir derzeit täglich. Bei anderen Krisen – etwa der Flüchtlings- oder der Klimakrise – gelingt es immer noch vielen Menschen, das Leid anderer oder die drohende Katastrophe zu ignorieren. Das haben bei Corona zu Beginn auch viele versucht – die drastischen Folgen davon haben wir nun innerhalb weniger Tage und Wochen zu spüren bekommen.

Die rasante Verbreitung des Virus ist auch eine Folge der Globalisierung des Kapitalismus, der weltweit Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt macht. Der teilweise Zusammenbruch der öffentlichen Gesundheitsversorgung und die drohende Wirtschaftskrise zeigt, dass die neoliberale Auflösung sozialstaatlicher Infrastruktur nicht krisenfest ist. All das spricht für eine radikale und demokratische, am Gemeinwohl und dem Schutz der Umwelt orientierte Transformation von Politik und Wirtschaft.

Das Symbol des kapitalistischen Wirtschaftsmodells der Konzerne ist die Konsumgesellschaft, also der hamsterradartige Kreislauf aus Konsum und Lohnarbeit mit Milliardenprofiten auf der einen Seite und Ausbeutung, Elend und Umweltzerstörung auf der anderen. Ins Getriebe dieses Hamsterrades hat das Virus gerade sehr viel Sand geworfen, sichtbar gemacht durch geschlossene Büros und Geschäfte und leergefegte Einkaufsstraßen.

Eine Folge davon ist der Verlust von Arbeitsplätzen und Einkommen, und auch die wirtschaftsliberalsten Politiker*innen merken, dass der drohenden Massenarmut nur durch staatliche Hilfe Einhalt geboten werden kann. Eine weitere Folge ist weniger unangenehm: Umwelt und Klima profitieren in den betroffenen Regionen bereits messbar von der Krise. In China zeigen Luftaufnahmen eine Abnahme des CO2-Ausstoßes um gigantische 25 Prozent. Professor Marshall Burke von der Standford-University hat eine Studie vorgelegt, der zufolge durch den Rückgang der Emissionen weit mehr Menschenleben gerettet wurden als dem Coronavirus zum Opfer gefallen sind.

Kann die Krise vielleicht gar dazu beitragen, das Weltklima zu retten und Menschheit insgesamt zu mehr Demokratie, ökologischer Rücksichtnahme und Gerechtigkeit nötigen? Darauf zu hoffen, dass das ein Virus für uns erledigt, würde bedeuten, den Tod von Abertausenden Menschen in Kauf zu nehmen. Nein, das sollten wir schon selbst in die Hand nehmen und Corona allenfalls als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen.

Dafür sollten wir nie wieder vergessen, was diese Krise sichtbar macht: Dass wir alle voneinander abhängig und miteinander verbunden sind. Und die Konsequenzen daraus ziehen, auf persönlicher ebenso wie auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Also ab sofort Verantwortung über- und Einfluss darauf nehmen, unser persönliches Umfeld und die Welt solidarischer, gerechter und respektvoller zu gestalten.

10. Entspann dich. Am besten durch Meditation.

Die Angst, das erzwungene (zusammen) Leben auf engem Raum mit all seinen potenziellen Folgen wie Einsamkeit, Streit oder Langeweile, die möglicherweise bereits prekäre wirtschaftliche Situation – all das setzt uns unter Stress. Und Stress wiederum erschwert es uns, diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Es gibt eine sehr einfache, sehr gesunde, sehr effiziente und sehr billige Methode, von diesem Stress quasi Urlaub zu nehmen und sich zunächst kurzfristig, auf Dauer aber sehr nachhaltig zu entspannen. Und das ist Meditation.

Ich möchte euch hier zum Abschluss eine sehr leicht zu erlernende Methode vorstellen, die vor allem ein Ziel hat: Dass es euch gut geht. Sie besteht im Wesentlichen darin, dass man sich eine zeitlang hinsetzt und Urlaub von allem nimmt. Von allem, also von Gedanken, Sorgen und Ängsten, den schlechten Nachrichten, den nervigen Mitbewohner*innen, den Pflichten des Alltags, ja sogar Urlaub von euch selbst.

Was das bringt? Naja, was eben Urlaub bringt: Zunächst mal Entspannung und Erholung. Vielleicht neue Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse. Gesundheit für Körper und Geist. Und häufig mehr Geduld und Klarheit im Umgang mit Konflikten und Herausforderungen. Was es dafür braucht ist eigentlich nichts außer einem dickeren, festen Polster (oder Stuhl für Menschen mit Rückenproblemen) und ein bisschen Disziplin.

Setz dich nun aufrechter Wirbelsäule möglichst bequem hin (am Kissen vorzugsweise im Schneidersitz), leg die Hände auf die Oberschenkel, die Augen schauen halb geöffnet ungefähr einen Meter vor dir auf den Boden. Stell dir eine Stoppuhr oder lade dir z.B. die App Meditation Time runter, für den Anfang empfehle ich 15 Minuten.

Dann entspannst du deinen Körper, und zwar schrittweise von oben bis unten. Entspannen heißt: spüren, wie die Spannung weicht, mehr brauchst du dafür nicht zu tun. Also: Spür, wie die Spannung aus deinem Scheitel weicht. Dann aus der Stirn. Den Augen. Nasenflügeln. Ohren. Wangen. Lippen. Kiefer. Zunge. Hinterkopf. Nacken, Hals. Aus der linken Schulter, und wie die mit der Schwerkraft etwas nach unten sinkt. Linker Oberarm, Unterarm, Hand. Rechte Schulter usw., Brust, Bauch, Beckenboden, Rücken, Beine, Füße. Und das ganze nochmal zurück bis zum Scheitel. Ab jetzt konzentrierst du dich nur noch auf deinen Atem. Das heißt: Du beobachtest dich selbst beim Einatmen und Ausatmen. Ein. Aus. Die ganze Zeit.

Spätestens jetzt wird dein Geist wie Maschinengewehrfeuer mit Gedanken beschossen werden. Kein Problem. Versuch, sie vorbeiziehen zu lassen, ihnen nicht nachzuhängen. Wenn du dich beim Denken erwischt: Kein Problem. Komm zurück zum Atem. Wenn du Schmerzen spürst: Nimm sie einfach wahr, kommt zurück zum Atem. Wenn sie unerträglich werden: Steh kurz auf und setz dich wieder hin. Alles geht irgendwann vorbei (die Krise übrigens auch). Beobachte nur und versuche, nicht zu beurteilen.

Zu Beginn wird dir das – vor allem das Nicht-den-Gedanken-nachhängen, möglicherweise auch das Sitzen – schwer fallen. Vielleicht sogar sehr schwer.

Meine Empfehlung dazu: Akzeptiere das. Du lernst, die Realität zu akzeptieren. Und: Es geht vorbei. Überfordere dich nicht. Meditiere zu Beginn lieber nicht zu lange und dafür regelmäßig. Zum Beispiel: Fünfmal die Woche je eine Viertelstunde. Dann wirst du bald einen Effekt spüren und möglicherweise Lust auf mehr kriegen. Wie gesagt: Das ist Urlaub. Und er ist gratis, und so viele andere Möglichkeiten auf Urlaub hast du eh derzeit nicht.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

Psychologischen Studien zufolge brauchen wir rund acht Wochen, damit eine Veränderung unseres Alltags zur Routine wird. Wenn ihr acht Wochen meditiert wollt ihr wahrscheinlich nicht mehr aufhören. Wenn wir die nächsten acht oder mehr Wochen nützen, um Akzeptanz, Mitgefühl, Humor, Großzügigkeit, Verantwortung und all das andere lernen, wozu uns diese Krise zwingt, dann werden wir sie irgendwann – hoffentlich – nicht nur überstanden, sondern unser eigenes und das Leben unserer Mitmenschen sogar verbessert haben.

Wir sind nicht alleine. Wir können helfen und um Hilfe bitten. Wir lernen jetzt zu teilen, zu hoffen, aufeinander zu schauen, Rücksicht zu nehmen. Es bleibt uns gerade gar nichts anderes übrig. Die Zukunft beginnt jetzt.

Als systemischer Coach und psychologischer Berater begleite ich Einzelpersonen, Paare und Organisationen in Veränderungsprozessen, Krisen und bei der Persönlichkeitsentwicklung. Aufgrund der aktuellen Situation werden Beratungen per Zoom, Skype o.ä. durchgeführt. Mehr dazu hier.

Bei Interesse bitte um Terminvereinbarung per Email oder Telefon +43 664 2537755

Für Menschen in finanzieller Notsituation führe ich während der Coronakrise zeitlich begrenzt Gratisberatungen durch. Die Terminvergabe dafür erfolgt ausschließlich online.

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Für Menschen in finanziell schwierigen Situationen führe ich während der Coronakrise Gratis-Kurzberatungen (im Normalfall ca. 25 Minuten pro Person) durch. Mögliche Themen (siehe auch mein Podcast zum Thema) z.B.:

  • (Zusammen-)Leben in der Isolation
  • Einsamkeit
  • Beziehungskrisen
  • Zukunftsängste

Die Terminvergabe dafür erfolgt ausschließlich hier:

Lebensraum für das Amazonasvolk der Huni Kuin

Die Abholzung des Amazonasurwaldes – der „grünen Lunge der Erde“ – ist mit der rechtsextremen Regierung Brasiliens massiv vorangeschritten. Das bedeutet nicht nur eine Zerstörung der Lebensräume indigener Völker sowie der Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch eine massive Beschleunigung des Klimawandels. Und damit eine Bedrohung des ganzen Planeten, der Lebensgrundlagen von uns allen. Niemand aber schützt diese Lebensgrundlagen besser als jene indigenen Bewohnerinnen und Bewohner, die seit Jahrtausenden gelernt haben, im Einklang mit der Natur zu leben. Von ihnen können wir lernen, mit uns, unserer Umwelt und anderen Lebewesen in Verbindung zu leben, uns als Teil davon zu verstehen und die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen.

Das Volk der Huni Kuin lebt in der brasilianischen Amazonasregion an der Grenze zu Peru und Bolivien. Sie sind TrägerInnen uralten Wissens um die Heilkraft der Pflanzen und des sozialen Zusammenhalts, gleichzeitig aber Opfer von Zwangsarbeit, Vertreibung und Völkermord. Viele von ihnen sind vor der Bedrohung durch brutale Rohstoffjäger und der Zerstörung ihrer Lebensräume in die Großstadt Rio Branco geflüchtet, wo sie weiterhin vom Elend betroffen sind.

Centro Huwã Karu Yuxibu

Unser Projektpartner Mapu Huni Kuin ist ein junger Anführer seines Volkes. Mit der Gründung des Wiederansiedlungs- und Kulturzentrums Huwã Karu Yuxibu will er gemeinsam mit seiner Familie der Zerstörung der kulturellen und natürlichen Ressourcen der indigenen Völker und des Regenwaldes etwas entgegensetzen.

Das Zentrum ist eine kulturelle, kollaborative und nachhaltige Initiative, um den in die Stadt geflüchteten Huni Kuin wieder einen Lebensraum, kulturelle Identität und Zukunftsperspektiven zu verschaffen. So soll unter anderem die traditionelle Medizin erforscht, Heilpflanzen angebaut und ein reger Wissensaustausch zwischen indigenen und nicht-indigenen Menschen gepflegt werden – etwa durch Sensibilisierungsworkshops für nicht-indigene Schulen und LehrerInnen der Region.

Um das Projekt zu verwirklichen, muss zuallererst Land gekauft werden (siehe Interview mit Mapu und seinem Vater Isaka ). Dafür fehlen noch 30.000 Euro. Und die wollen wir hier mit eurer Hilfe sammeln. Wir haben dafür hier eine Spendenkampagne errichtet: https://www.gofundme.com/hunikuin

Noch schneller geht es, direkt aufs Vereinskonto Geld zu überweisen:

Verein Kapa Yuxibu für den Schutz der Umwelt durch indigene Völker
IBAN : AT80 2011 1840 9313 1000
BIC/SWIFT : GIBAATWWXXX

Weitere Fotos vom Zentrum Huwã Karu Yuxibu  auf Facebook. Gerne beantworten wir per Email an kapayuxibu@gmail.com auch detailliertere Fragen über das Projekt.

Wie ich euch 20.000 Euro/Jahr erspart habe

Anfang August des vergangenen Jahres, ich besuchte gerade einen Workshop des Clowns Avner Eisenberg in Konstanz, begannen die Schmerzen. Zuerst im Nacken, dann in den Schultern, schließlich am ganzen Oberkörper. Bis ich morgens kaum mehr aufstehen konnte. Zum Glück ließ mich meine Hausärztin sofort auf HLA-B27 testen: Ein Gen, das acht Prozent der europäischen Bevölkerung haben – und häufiger Indikator für eine laut Fachärzt_innen unheilbare Autoimmunerkrankung namens Morbus Bechterew.

Die Schmerzen wurden bald so unerträglich dass ich bis zu zweimal täglich hundert Milligramm Voltaren nehmen musste um einigermaßen über den Tag und vor allem durch die Nacht zu kommen. Die maximal zulässige Tagesdosis liegt bei 150 Milligramm, andernfalls oder bei längerer Einnahme drohen Magen- und Leberschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Der Oberarzt einer renommierten rheumatologischen Abteilung sah aber ohnehin jene Therapie für mich vor, die einem großen Teil der Bechterew-Patient_innen verordnet wird: Ein sogenanntes Biologikum, das für den Rest des Lebens regelmäßig als Spritze verabreicht wird. Nebenwirkungen: Allen voran eine starke Schwächung des Immunsystems, also massiv erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten aller Art. Und noch eine Nebenwirkung: Die Behandlung kostet bis zu 20.000 Euro pro Jahr. Zahlt normalerweise die Krankenkasse, aber habt ihr euch schon mal gefragt warum ihr so hohe Sozialversicherungsbeiträge zahlt?

Mein Glück: Ein Freund meines Vaters leidet seit Jahrzehnten an Bechterew. Und zwar sehr. So wie ich im vergangenen Sommer, nur eben über Jahrzehnte hinweg. Und ich ich dachte schon nach ein paar Wochen ans Sterben! Bis er zufällig im Internet auf einen Londoner Arzt namens Alan Ebringer stieß, der herausgefunden haben will, dass die schmerzhaften Symptome der Krankheit von einer Darmbakterie namens Klebsiella ausgelöst werden. Und dieses Monster ernährt sich – verkürzt gesagt – von Stärke. Also Getreide, Nudeln, Erdäpfeln, Reis usw.; wenn man also all das (und leider noch sehr viel mehr Köstlichkeiten) aus dem Speiseplan streiche, könne man es quasi aushungern und damit unwirksam machen. Und sich (und dem öffentlichen Gesundheitssystem) die gesundheitsschädlichen und teuren Medikamente sparen, so der Freund meines Vaters, der seit Jahren nahezu medikamenten- und schmerzfrei lebt: „Fast niemand stirbt an Bechterew“, sagte er, „aber vermutlich viele an den Nebenwirkungen der Medikamente.“

Anfang Oktober habe ich mit der Bechterew-Diät begonnen. Eine zugegeben radikale Umstellung meiner Ernährungsgewohnheiten, begleitet von vermehrtem Muskeltraining um meinen Stützapparat zu stärken und einen Gewichtsverlust hintanzuhalten. Seit Ende November nehme ich keine Medikamente mehr. Und: Es geht mir gut. Nein: Es geht mir sehr gut! Ab und an spüre ich noch vergleichsweise harmlose Schmerzen, im Moment bin ich auf Kur in Bad Gastein um auch diese zu loszuwerden. Ich treffe hier PatientInnen die einen unglaublichen Leidensweg hinter sich haben. Fast alle nehmen Biologika, ihnen allen wurde von ihren Ärzt_innen gesagt dass es dazu keine Alternative gebe.

Als ich meinem Oberarzt mitteilte dass ich auf die Medikamente verzichten wolle weil ich keine Schmerzen mehr habe, meinte er nur „das bilden Sie sich ein“ und bestritt die Wirksamkeit der Diät. Bis jetzt lebe ich sehr gut mit dieser Einbildung, wäre aber froh, wenn sich die öffentlichen Kassen weiterhin die Finanzierung sinnvoller Behandlungen, Kuren und Medikamente leisten könnten statt sie für möglicherweise sinnlose und gesundheitsschädliche Pharmaprodukte auszugeben.

Nachtrag 27.1.: Bitte lest auch den differenzierten Kommentar zu meinen Ausführungen von Franz Ablinger.

Wie die Reichen die Welt retten. Not.

Jetzt hat es auch Mark Zuckerberg getan. Also zumindest angekündigt: Er will einen Großteil seines Vermögens, nämlich 99 Prozent seiner Facebook-Anteile im Wert von derzeit 45 Milliarden Dollar, spenden. Um „die Welt für die nächste Generation zu verbessern“, wie er anlässlich der Geburt seiner Tochter verlautete.

45 Milliarden Dollar sind ein Batzen Geld. Damit könnte man nach Ansicht mancher Expert_innen sieben mal das Welthungerproblem lösen. Sieben mal! Super, oder? Und das, wo die Welt auch ohne Zuckerbergs großzügige Zuwendung jetzt schon immer besser wird, wie er im Brief an seine neugeborene Tochter schreibt: „Health is improving. Poverty is shrinking. Knowledge is growing. People are connecting.“ Naja, als Folge der Wirtschaftskrise stieg die Zahl der Hungernden 2009 zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit über eine Milliarde, in den meisten Ländern steigt die soziale Ungleichheit und die Zahl der Armen. Und auch sonst flunkert Mark im Brief an seine Tochter ein bisschen, aber hey, ist ja noch ein Baby und Papa rettet gerade die Welt.

Und auch das nicht sofort, sondern „im Laufe unseres Lebens“ will er die Milliarden spenden,also zunächst mal eine Milliarde pro Jahr, und auch nicht wirklich spenden, sondern in eine Stiftung (bzw. eine LLC) einfließen lassen, die zum Beispiel in die Entwicklung neuer Technologien investieren soll. Also eigentlich eh bisschen sowas was Facebook jetzt schon zum Nutzen der Menschheit macht, connecting people und so, nur halt steuerschonender. Also: Noch steuerschonender, weil ohne Steuerschonung und ohne Datenmissbrauch wären die ganzen Milliarden nämlich gar nicht zusammengekommen, wie dieser Auszug aus dem Schwarzbuch Markenfirmen zeigt (zum Vergrößern draufklicken): Facebook-Schwarzbuch-Markenfirmen

Solche Steuervermeidungstricks haben natürlich Folgen: Sie erzeugen Armut und Elend, weil öffentliche Infrastruktur, Bildung, Gesundheitsversorgung, Sozialhilfe usw. nicht mehr finanzierbar ist.

Wenn Zuckerberg nun angeblich 99 Prozent seines Vermögens spenden will, bedeutet das in Wahrheit, dass er er einen Teil des Reichtums, den er der Gesellschaft geraubt hat, nun weiterhin steuerschonend vermehrt – also die Gesellschaft weiter ausbeutet -, um einen kleinen Anteil davon möglicherweise (das kann niemand kontrollieren weil es  keine transparenten Kontrollmöglichkeiten gibt) in Charity-Projekte, aber offenbar auch in die Weiterentwicklung des eigenen Geschäftszweckes fließen zu lassen.

Und dafür gibt’s jetzt heftigen Applaus. Unter anderem auch von Melinda Gates, quasi der Mutter steuersparender und imageverbessernder Charity-Stiftungen. Gates

Mit ihrer Stiftung hüpfen Microsoft-Gründer Bill und seine Frau Melinda Gates vor, was von solchen Konstruktionen zu halten ist: Nur rund fünf Prozent der Stiftungsgelder werden für gemeinnützige Projekte ausgegeben, der gigantische Rest zum Teil in Konzerne investiert, die Menschen eher ins Unglück stürzen als ihnen zu helfen. Während sich die Stiftung angeblich dem Kampf gegen Aids widmet, verdient sie ein Vermögen durch Aktien von Pharmafirmen, die mit überteuerten Patenten auf Aids-Medikamente Geschäfte machen und PatientInnen in ärmeren Regionen dem Tod preisgeben. In Nigeria förderte die Gates-Stiftung mit 167 Millionen Euro ein Impfprogramm gegen Kinderlähmung und Masern. Ungefähr doppelt soviel Geld investierte sie zuvor in Ölkonzerne wie Shell, ExxonMobil oder Total, die ebendort seit Jahrzehnten die Lebensgrundlagen zerstören.

Sowohl Bill Gates als auch Mark Zuckerberg haben Innovatives geleistet und könnten auch dann in Wohlstand leben, wenn sie keine Steuerflucht und keinen Datenklau betreiben würden. Aber sie hätten dann nicht die Macht, sich als Weltenretter aufzuspielen. Dass ihnen das so viele abkaufen, liegt sicherlich auch an ihrem Verkaufstalent. Aber vielleicht auch ein bisschen an der mangelnden Kritikfähigkeit jener, die ihnen das abkaufen.

Nachtrag 4.12.: Wie die angeblich wohltätige LLC Zuckerbergs funktioniert erfährt man hier

Wie ich heute fremdenpolizeilich behandelt wurde

Ich bin gerade in Köln angekommen, wo ich heute nachmittag für Teilnehmer_innen des „Freiwilligen Ökologischen Jahres“ einen Vortrag halten soll. Wie fast immer nehme ich auch für längere Reisen am liebsten die Bahn. Früher genoss ich dafür die Sechserabteile in denen man die Sitzbänke ausziehen konnte, heute kann ich mir einen komfortablen Schlafwagen leisten, auch wenn der absurderweise meist teurer als ein Flug ist – dank der Subventionierung des klimaschädlichen Flugverkehrs durch uns Steuerzahler_innen. Und ja, ich schlafe im schaukelnden Zug normalerweise wie ein Baby in einer Wiege. Also super.

Nicht so heute nacht. Gegen halb ein Uhr früh stürmten nämlich zwei deutsche Polizeibeamte den Waggon, klopften heftig an die Türen und schrien „Polizei, aufmachen!“, um dann mit Taschenlampen die Abteile auszuleuchten. Als die überaus freundliche Zugbegleiterin herbeieilte, wurde auch sie angebrüllt, ob hier Syrer oder Iraker versteckt seien. Ich fragte daraufhin etwas verpennt warum sie Syrer_innen oder Iraker_innen suchten? „Wegen krimineller Handlungen.“ – „Welche kriminellen Handlungen?“ – „Illegaler Grenzübertritt!“ – „Und was soll, bitteschön, daran kriminell sein, aus Syrien oder dem Irak zu flüchten, wo Menschen verfolgt und abgeschlachtet werden?“, fragte ich, bemüht, die Fassung zu bewahren. „Wir tun hier nur unsere Pflicht, gehen Sie zurück in Ihr Abteil!“

Das tat ich nicht, sondern blieb am Gang stehen, um die Amtshandlung weiter zu beobachten. „Gehen Sie sofort zurück in Ihr Abteil“, schrie mich die Polizistin an. „Nein, das werde ich nicht tun. Ich bin österreichischer Landtagsabgeordneter und ich möchte sehen was Sie hier tun. Ich halte das nämlich für reichlich unangemessen“, antwortete ich, während Sie die nächsten Abteiltüren aufrissen und mit ihren Taschenlampen auf die schlafenden Fahrgäste leuchteten. „Zeigen Sie mir sofort Ihren Ausweis“, brüllte mich die Polizistin nun noch wütender an. Ich wies meinen Abgeordnetenausweis und meinen Führerschein vor. Ich reise seit Jahren nur mehr mit Führerschein durch Europa – in der irrigen Annahme, im vereinten Europa keinen Reisepass mehr zu brauchen.

„Das ist kein gültiges Reisedokument, Sie sind hier illegal aufhältig und müssen wieder zurück nach Österreich“, herrschte mich die Polizistin an. „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?“ Um acht Uhr sollte ich in Köln sein, um dort auf Einladung der Umweltbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen meinen Vortrag zu halten. Die Polizistin ging nun telefonieren, der Zug wurde eine halbe Stunde im Passauer Bahnhof aufgehalten, ihr Kollege drängte zur Eile, ich stand etwas ratlos daneben. Dann kam sie, gab mir meine Ausweise zurück und meinte, ich dürfe ausnahmsweise weiterfahren, müsse aber 25 Euro Strafe zahlen. Das wollte ich gerne machen, schon allein um einen schriftlichen Beleg für meine kriminelle Fehlinterpretation der europäischen Reise- und Niederlassungsfreiheit in Form einer Quittung zu erhalten. Daraufhin änderte die Beamtin ihre Meinung und erließ mir die Strafe. Ich: „Nein, ich bestehe darauf die Strafe zu zahlen.“ – „Das können Sie nicht, ich kann selbst entscheiden ob Sie eine Strafe zahlen oder nicht, das sollten Sie als Politiker wissen.“ Wusste ich nicht, genauso wie ich nicht wusste, dass ich als Österreicher in Deutschland einen Pass brauche und dass die drittreichste Demokratie der Welt auf der Suche nach syrischen Flüchtlingen spätnachts Passagierzüge stürmen muss, als stünde eine kriegerische Invasion vor der Tür, und hielt mich schön langsam selber für ziemlich doof.

Die beiden Sicherheitsorgane zogen weiter, da drehte sich der Beamte noch einmal um: „Nur so aus Interesse: Von welcher Partei sind Sie eigentlich?“ – „Grüne, wieso?“ – „Na war ja eh klar.“ Wenigstens unser Ruf stimmt.

PS: Im Anschluss an die Szene erzählte mir die Zugbegleiterin der privaten Schlafwagengesellschaft, dass auch sie, obwohl in Uniform, äußerst unfreundlich beamtshandelt und ihre gesamtes Gepäck durchleuchtet wurde. Wir waren uns einig, dass diese paranoide Polizeiaktion unser subjektives Sicherheitsgefühl nicht gestärkt hatte. Und wir sind noch die, die es in diesem vereinten und friedlichen Europa ziemlich gut erwischt haben.

R.I.P. – Ein Nachruf auf die Opfer von Apple

Steve Jobs ist tot. Viele – auch viele meiner FreundInnen – veröffentlichten auf Twitter und in Blogs würdigende Nachrufe auf den Apple-Gründer und verwiesen unter anderem auf diese beeindruckende Rede.

Es stimmt: Jobs war ein beeindruckender Mensch mit einem starken Gespür für die Bedürfnisse der UserInnen seiner Produkte. Und natürlich verdienen alle, die den Tod eines Menschen betrauern immer unsere Empathie.

Dennoch sollte man darob nicht vergessen, wieviel Leid der von Jobs geführte Konzern über viele Menschen gebracht hat, die und deren Angehörige unsere Empathie ebenso verdienen. So zum Beispiel die tausenden ArbeiterInnen der von Apple ökonomisch abhängigen chinesischen Firma Foxconn, die Männer, Frauen und Kinder für die Produktion von iPhones, Macbooks, iPads, iPods und wie sie alle heißen ausbeutet und einige von ihnen in den Selbstmord trieb. Siehe dazu z.b. diesen aktuellen Artikel und diese Sendung. Hätte Jobs – mit einem Privatvermögen von zuletzt rund 7 Milliarden Dollar und als Chef eines Konzerns mit einem ebenso hohen Jahresgewinn – nicht die Möglichkeit gehabt, das zu verhindern?

Ich nehme das zum Anlass, das Firmenpoträt aus meinem Buch „Uns gehört die Welt!“ hier zu veröffentlichen (Stand 2008). Und dazu, Steve Jobs und allen Apple-Opfern zu wünschen: Rest in Peace!

Update 12.10.: Passend zum Thema habe ich in ORF Contra über die Frage „Apple Unser – Sind Marken unsere neue Religion?“ diskutiert. Die Sendung ist bis zum 18.10. hier online.

Ich mache mich stark – am 18. September. Und ihr?

starkmachenFür den 18. September rufen das Integrationshaus, M-Media und SOS Mitmensch zu einer großen Willenskundgebung am Wiener Heldenplatz auf. Es liegt jetzt an uns allen. Für ein Politik, die Chancen nutzt und Probleme angeht. Wir bauen nicht auf Sündenböcke, wir bauen auf die Zukunft. Machen wir uns stark.

Werden Sie hier bzw. auf Facebook UnterstützerIn: http://www.machen-wir-uns-stark.at

Der Appell:

Österreich ist schön, reich und ziemlich bunt. Es ist ein vielfältiges Land und das ist gut so. Darauf kann man etwas aufbauen. Ändern wir doch die Dinge, die schief laufen: in der Schule, am Arbeitmarkt und beim Zusammenleben.

Zauderer, Zyniker und Zündler waren jetzt lange genug am Wort. Wir brauchen hier niemanden, der Menschen gegeneinander aufwiegelt. Wir verzichten auf alle, die Flüchtlinge und Arbeitslose zu Sündenböcken machen. Wir lassen uns auch nicht einreden, dass die Opfer der Finanzkrise an ihrem Schicksal selbst schuld sind. Diese Hetze vergiftet uns nur. Und sie lenkt von den Fragen ab, die für unsere Zukunft wirklich wichtig sind.

Machen wir uns stark. Für eine lebendige Demokratie, in der etwas weiter geht, für eine Politik, die Chancen nutzt und Probleme angeht.

Wir lassen uns nicht spalten. Alle leben wir in diesem Land und alle können wir es mitgestalten. Grundrechte gelten ohne Ausnahme. Es gibt immer unterschiedliche Meinungen. Aber wir wollen vernünftig miteinander reden. Wir bauen nicht auf Sündenböcke. Wir bauen auf die Zukunft.

Konkret fordern wir daher:

  • einen radikalen Kurswechsel in der Asyl- und Fremdenpolitik. Als ersten Schritt: ein Ressort für Diversität und Integration. Damit das Zusammenleben keine Polizeisache mehr ist.
  • eine mutige Bildungspolitik, die die Vielfalt der Menschen anerkennt. Als ersten Schritt: eine kräftige Erhöhung des Bildungsbudgets und eine Schule, die nicht ausgrenzt. Damit das Potential, das in unseren Kindern steckt, sich voll entfalten kann.
  • eine gerechtere Verteilung des Wohlstands und Jobs, von denen wir leben können. Als ersten Schritt: Investitionen in Zukunftssektoren wie Kinderbetreuung, Pflege und soziale Dienstleistungen. Damit wir niemanden zurücklassen.
  • das entschlossene Eintreten für eine demokratische Öffentlichkeit. Als ersten Schritt: die Beseitigung aller rechtlichen und informellen Barrieren beim Zugang zu Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur. Damit alle sich Gehör verschaffen und ihre Anliegen einbringen können.

Natürlich wähl ich Fischer!

Vorausschicken muss ich, dass mir die Bundespräsidentschaftswahl relativ wurscht ist. Ich habe bisher weder großen Nutzen noch großen Schaden in diesem Amt erkennen können, und insofern ist der derzeitige und wohl auch künftige Amtsinhaber die logische Besetzung dafür: Heinz Fischer hat bisher als Bundespräsident weder großen Nutzen und auch keinen für mich erkennbaren Schaden angerichtet.

Nachdem sein Rennen ohnehin gelaufen ist, wäre ich heuer womöglich nicht einmal zur Wahl gegangen. Klar, hätte eine herausragende Person wie zum Beispiel die Flüchtlingshelferin Ute Bock kandidiert: Ich wäre Feuer und Flamme gewesen, denn trotz der bescheidenen realpolitischen Einflussmöglichkeiten kann ein/e PräsidentIn das politische Klima im Land prägen. Fischer hat’s fast immer bei der Bescheidenheit belassen, auch in Grund- und Menschenrechtsfragen, das wäre einer Bock nie passiert.

fischer(Foto: Martin Juen) Bescheiden hat sich Heinz Fischer heute auch einem Hearing der Grünen gestellt. Und sich dort, das meine ich positiv, nicht angebiedert. Mehr oder weniger kritische Fragen korrekt und überlegt beantwortet, häufig (oft zurecht) auf seine Nichtzuständigkeit verwiesen und auch Selbstkritik geübt, etwa diese: „Vielleicht habe ich die Lektion, dass sich ein Präsident nicht in die Tagespolitik einmischen soll, zu ernst genommen“. Zweimal erntete er Applaus: einmal als er das Wort „dramatisch“ im Zusammenhang mit mangelnden Klimaschutzaktivitäten in den Mund nahm, ein zweites Mal, als er den Streit um Adoptionsrechte für Lesben und Schwule als „substanzlos“ bezeichnete. Beides würdigte man bei Fischer schon als mutig, auch das ist bezeichnend. Denn der Präsident zeigte auch, wo es ihm an Mut mangelt, etwa als er den Assistenzeinsatzes des Bundesheers an der ungarischen Grenze verteidigte, weil er „der Beruhigung gegen jene dient, die dort das Gefühl von Unsicherheit erzeugen“. Aber: theoretisch – leider meist eben nur theoretisch – zeigt der „Onkel in der Hofburg“ (© Fischer) in vielen Fragen (etwa beim Bleiberecht) wenigstens ein bisschen Haltung, wo SPÖ und ÖVP rückgratlos und rückwärtsgewandt agieren.

Rückblickend war es vielleicht ein Fehler, dass die Grünen niemanden ins Rennen geschickt haben. Das Argument der Kosten und der Chancenlosigkeit wiegt für mich weniger: Auch mit einem Low-Budget-Wahlkampf wäre es möglich gewesen, öffentliche Aufmerksamkeit auf Themen wie Armutsbekämpfung, Klimaschutz oder interkulturelles Zusammenleben und Diversität zu richten, verkörpert durch z.B. durch eine couragierte Aktivistin aus der Zivilgesellschaft (da fallen mir gleich ein paar Namen ein, fragt mich in fünf Jahren!). Die hätte zwar vielleicht nur ein paar Prozent abkassiert, aber sie hätte den öffentlichen Diskurs wenden können: Weg von den Kellernazis, hin zu einer weltoffenen Zukunftsvision.

kellernaziUnd damit sind wir eigentlich schon bei Fischers größter Wahlhelferin. Natürlich gehe ich heuer wählen. Natürlich wähle ich Fischer. Weil ich die Keller- und Hatschi-Nazis und natürlich auch den Klerikalobskuranten neben diesem zwar relativ mutlosen, aber durch und durch glaubwürdig humanistischen Präsi aber sowas von abstinken sehen will. Aber auch: weil ich den alten Herrn Fischer in all seiner beamtenhaften Korrektheit irgendwie grundsympathisch finde. Auch das zählt ein bisserl, und sollte er in der zweiten Amtszeit ein bisserl mutiger werden wär’s mir auch recht.

Freie Radios: Bettelverbot in Wien – ein Triumph des Rechtskonservatismus?

Radio Dreyeckland aus Freiburg hat mich über das Wiener Bettelverbot interviewt. Die sechsminütige Sendung ist Creative-Commons lizenziert, kann also weitergegeben und weiterverwendet werden.

Kurzbeschreibung

Am 26. März wurde auf Initiative der Sozialdemokraten ein „Bettelverbot“ für Wien beschlossen.

„Solche Gesetze sind fast schon faschistisch“, meint Klaus Werner-Lobo zum Bettelverbot in Wien. Dass Menschen eingesperrt werden dürfen, weil sie schlecht gekleidet sind, oder andere Menschen um Geld bitten müssen, kann der Autor von Büchern wie „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“ nur verurteilen.