Wien wieder Stadt der höchsten Lebensqualität – für Multis und SPÖ

Wien ist auch 2010 die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Zu diesem Schluss kommt die jährlich durchgeführte Mercer-Studie, für die 221 internationale Metropolen miteinander verglichen wurden. Befragt wurden bei der Studie allerdings nur: im Ausland tätige Geschäftsleute.

Das ist schön für sie und schön für multinationale Unternehmen, denen die Mercer-Studie bei der Standortbeurteilung helfen will: „Mercer conducts the ranking to help governments and multi-national companies compensate employees fairly when placing them on international assignments (…) As the world economy becomes more globalised, cities beyond the traditional financial centres are emerging as attractive places in which to expand or establish a business.“

Die politische Vertretung des multinationalen Big Business übernimmt die Wiener SPÖ und ihr Klubobmann Siegi Lindenmayr, der sich für die Ergebnisse des Multi-Rankings generös bei sich selbst bedankt:

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Dass die Wiener Stadtbevölkerung und MigrantInnen, die nicht für multinationale Konzerne arbeiten, nicht befragt wurden, interessiert die Elitenpartei SPÖ ebensowenig wie die Tatsache, dass Wien im Öko-Cityranking der Multis nur auf Platz 44 liegt.

Natürlich, für internationale ManagerInnen ist Wien eine der sichersten, saubersten und bestverwalteten Städte der Welt. Es kann ihnen relativ wurscht sein, dass die Treibhausgasemissionen in den letzten Jahren hier um 13,5 Prozent gestiegen (statt wie versprochen um 14% gesunken) sind, dass mehr als 200.000 Menschen in einer der reichsten Städte der Welt armutsgefährdet sind, hier 100.000 Kinder in Armut leben und dass Kinder von MigrantInnen, die nicht für Multis arbeiten, kaum Bildungs- und Aufstiegschancen haben. Und vielleicht ist es einigen von ihnen sogar ganz angenehm, wenn die SPÖ das Stadtbild von BettlerInnen und „Verwahrlosten“ säubert.

Es wird dringend Zeit, dass sich die Wiener Stadtpolitik auch um jene kümmert, die nicht in Mercer-Studien befragt werden.

8 Antworten auf „Wien wieder Stadt der höchsten Lebensqualität – für Multis und SPÖ“

  1. Naja, die Kriterien werden häufig von Eliten gemacht. So wie beim weltweiten Ranking der Unis. Da werden auch NobelpreisgewinnerInnen gezählt und nicht die StudienabbrecherInnen.

  2. Wie wichtig der Wiener Stadtregierung die Lebensqualität der Bevölkerung tatsächlich ist, lässt sich schön an der Abflugroute, die 2004 überfallsartig auf Liesing verlegt wurde, demonstrieren. Obwohl es dafür keine Notwendigkeit gibt sondern auch weitgehend über unbesiedeltes Gebiet statt über Wien gestartet werden könnte, verweigern der Bürgermeister und seine Gefolgsleute die öffentlichen Diskussion darüber. Positiv hingegen ist hier die Haltung der anderen Wiener Parteien, welche im Wiener Gemeinderat die Einstellung der Flugroute über Liesing verlangen und sich damit für die Lebensqualität der Bevölkerung und nicht nur der Manager einsetzen.

  3. würden sie bitte etwas zur Abschiebung Arigona Zogajs schreiben?

    In wien gibt es veranstaltungen, wo hochkarätige künstler sich deutlich positionieren.
    warum nicht die grünen!

    (auf ihrer homepage ist der letzte zogaj artikel am 28.12.2008 gepostet worden.)

    ist mir ein Anliegen, freundliche Grüße

    Mirjam

  4. „Die Alternative zum Wiener Modell sieht man gerade in Kärnten.“

    Warum nicht gleich Bagdad ?
    Oder wenigstens Neapel ?

    Ich orientiere mich lieber an Stockholm:
    http://ec.europa.eu/environment/europeangreencapital/green_cities_submenu/stockholm_2010_2011.html

    Keine Hundescheiße im öffentlichen Raum, kein Mitrauchzwang in den Lokalen, City-Maut, keine verparkten Gehsteige (vielfach unverparkte Straßenränder – etwas, was bei uns überhaupt unvorstellbar scheint), Radwege, die sinnvoll & benützbar sind (statt Verschlimmbesserung durch Statistik – Radwegkilometer), Fernwärmeanteil: 80 %…

  5. Komisch ich war heute in Favoriten auf der Suche nach dem Slums und konnte keine finden, wahrscheinlich wurden die extra für die Mercer Studie versteckt. ich lebe gern in Wien und bin froh, dass die Stadt so gut verwaltet wird. Die Alternative zum Wiener Modell sieht man gerade in Kärnten.

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