OÖN: Cobra platzte mit einem Einsatz in die Theaterprobe für „A Hetz“

Ab nächster Woche geht ein persönlicher Traum in Erfüllung: Ich spiele bei der Theaterproduktion „A Hetz“ des Theaters Hausruck mit. Ein Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten zeigt, wie dort schon während der Proben Theater und Wirklichkeit verschwimmen:

OTTNANG. Während die Schauspieler vom Theater Hausruck am Ortsplatz für „A Hetz“ probten, rückte eine Cobra-Einheit an, um einen Drogendealer zu fassen. Kurios: Die Bevölkerung reagierte überhaupt nicht auf den Polizeieinsatz, dachte wohl, dass das zum Stück gehört.

Während die Schauspieler vom Theater Hausruck am Ortsplatz für „A Hetz“ probten, rückte eine Cobra-Einheit an, um einen Drogendealer zu fassen. Kurios: Die Bevölkerung reagierte überhaupt nicht auf den Polizeieinsatz, dachte wohl, dass das zum Stück gehört.

Obwohl die Elite-Polizisten schwer bewaffnet ein Haus stürmten, rührten die Passanten kein Ohrwaschl. „Die haben geglaubt, das sind Theaterleute“, erklärt Georg Schmidleitner. „Die Geschichte passt zu unserem Image“, kann Regisseur vom Theater Hausruck drei Tage später wieder schmunzeln. „Wir wollen überraschen und unberechenbar sein“, nennt er die Ziele vom Theater Hausruck.

Dazu gehört, dass bei „A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit“ zwei prominente Globalisierungskritiker zum künstlerischen Team gestoßen sind: Christian Felber (Attac Österreich) und der Autor Klaus Werner-Lobo („Schwarzbuch Markenfirmen“, „Uns gehört die Welt“). Die beiden sind ausgebildete Bühnenakteure und werden in der Kirche Ottnang eine Station der Theaterbusreise gestalten. „Ich möchte die Zusammenhänge zwischen Armut und Reichtum aufzeigen“, sagt Werner-Lobo im OÖN-Gespräch. Die „Predigt mit Performance“ will die Besucher zu mehr Solidarität und Zivilcourage ermuntern. Werner-Lobo wird dabei als Clown auftreten – allerdings nicht als herkömmlicher Spaßmacher mit roter Nase, sondern als „Archetyp des Loosers“, etwa in der Nachfolge eines Charlie Chaplin.

Eine Woche vor der Premiere lädt das Theater Hausruck die Bevölkerung heute in den Gemeindesaal Holzleithen ein. „Die Leute habe die Chance, uns hautnah zu erleben“, betont Schmiedleitner. Für ihn ist „A Hetz“ noch vor der Premiere am 29. Juli ein Erfolg – durch die Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingsthema, hätten viele ihre Ängste abgebaut.

Infos zu den Spielterminen: www.theaterhausruck.at

„Hast du Angst, du dreckiger Zigeuner?“

via Tina Leisch:

Die rassistischen Polizeikontrollen in Wien nehmen zu. Fast täglich stehen Polizisten mit einem Laptop in der Hand, meist in Zivil, manchmal von uniformierten Kollegen begleitet, in den U-Bahnstationen und kontrollieren die Ausweise „ausländisch aussehender“ (was immer das auch sein mag) Personen. Manchmal enden solche Kontrollen in einer rassistischen, demütigenden, untragbaren, skandalösen Amtshandlung. Oft wandern Kontrollierte ohne Aufenthaltserlaubnis in Schubhaft.

Hier das Protokoll eines aktuellen Erfahrungsberichts aus der Wiener Straßenzeitung Augustin:

„Hast du Angst, du dreckiger Zigeuner?“

Zwei slowakische Staatsbürger protokollierten Polizei-O-Ton am Karlsplatz

Eine Kolporteurin und ein Kolporteur des Augustin erheben schwere Vorwürfe gegen Polizisten der Wachstube am Karlsplatz. Er sei u. a. gezwungen worden, sich nackt niederzuknien und die wiederholte Feststellung des Beamten, dass „Zigeuner stinken“, laut zu bejahen, gibt einer der Betroffenen zu Protokoll. Der Augustin wandte sich an die Pressestelle der Polizei, diese übermittelte die Beschwerde an Oberst Christian Stella, den Leiter der Stabsabteilung. „Die Vorhalte nehmen wir sehr ernst. Sie werden Gegenstand von internen Erhebungen. Das Büro für Interne Ermittlungen wurde mit den weiteren Erhebungen betraut“, so die rasche Reaktion Stellas. Weiterlesen…

Polizisten auf die Straße!

Weil 105 Euro doch relativ viel sind, habe ich heute auf Anraten von Rechtsanwalt Dr. Heinrich Vana einen Einspruch hinsichtlich der Höhe der Strafe (s.u.) verfasst und an die Bundespolizeidirektion Wien gesandt:

Lieber Herr ORat Mag. Kittinger,

in Anerkennung der Tatsache, dass ich mich am 7.4.2007 illegal versammelt habe möchte ich Sie höflichst bitten, das Strafmaß so weit wie möglich auf eine Ihnen angemessen erscheinende Höhe herabzusetzen, da ich

  • derzeit Clown in Ausbildung bin, als solcher noch über kein Einkommen verfüge und auch meine Einkünfte aus journalistischer Tätigkeit sich dem Ende zuneigen
  • irrtümlich der Annahme war, an einer angemeldeten Kundgebung zum Thema „Meinungsfreiheit“ teilgenommen zu haben. Niemals würde ich, wie in der Anzeige vermerkt, an einer Kundgebung teilnehmen, die das Thema „Mehr Polizisten auf Österreichs Straßen“ ins Lächerliche zieht, da ich überhaupt nichts gegen mehr Polizisten auf Österreichs Straßen habe, im Gegenteil!
  • mich so gut wie möglich bemühe ein guter Bürger zu sein in dessen Absicht es keinesfalls steht oder jemals stand, das Versammlungsgesetz zu übertreten.

Ich danke für Ihre wohlwollende Kenntnisnahme,

mit freundlichen Grüßen

Ich habe mich illegal versammelt

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105 euro strafe verhängt die bundespolizeidirektion wien über mich, weil ich mir auf einer demonstration „für meinungsfreiheit“ eines grüppchens rassisten (siehe eintrag weiter unten) die freiheit geleistet habe, eine antirassistische meinung zu demonstrieren. hier ein auszug aus dem polizeiprotokoll:

Bemerkt wird, dass ab 14:00 Uhr eine angemeldete Kundgebung zum Thema „Mehr Polizisten auf Österreichs Straßen“ stattfand, an welcher insgesamt 4 Aktivisten teilnahmen. Als Mittel zur Manifestation wurde ein Transparent verwendet.

Durch die Teilnehmer der unangemeldeten Kundgebung wurde die ordnungsgemäß abgehaltene Kundgebung insofern gesört, in dem die Teilnehmer sich vor das Transparent stellten und durch Parolen das oa Thema ins Lächerliche zogen.

Aufgrund des Verhaltens der oa Teilnehmer der unangemeldeten Kundgebung wurde (…) die Kundgebung gem §14 VersG für aufgelöst erklärrt und die Manifestanten aufgefordert, die Versammlungsörtlichkeit unverzüglich zu verlassen. (…) Aufgrund der Tatsache, dass insgesamt 15 Manifestanten – unter ihnen der oa Angezeigte – der Verpflichtung gem VersG nicht nachkamen, lag nun eine Strafbarkeit gem oa zitierter Gesetzesstelle vor.

wie ich heute verhaftet wurde

heute war ich mit meiner frau sommerschuhe kaufen. danach sind wir zum parlament spaziert, wo drei leute ein transparent in die luft hielten, auf dem sie unter anderem die abschiebung von ausländern forderten. sie nannten sich initiative meinungsfreiheit und hatten jede menge kronenzeitungsschnipsel mit gruseligen geschichten über ausländerkriminalität dabei.

das mit der meinungsfreiheit gefiel mir, und ich sagte ihnen die meinung. nach kurzer zeit gesellten sich weitere fünfzig menschen mit ebenfalls eigener meinung zu uns, was zur folge hatte dass die message des trios ein bisschen unterging. dadurch wiederum sah die anwesende polizei dessen demonstrationsrecht gefährdet, worauf eine halbe hundertschaft wega-polizisten den platz zu räumen drohte.

ich versuchte dem einsatzleiter klarzumachen, dass es sich hier ja wohl um eine angemeldete demonstration für meinungsfreiheit handle und sich die ja nicht nur auf hassparolen beschränken könne. diese logik war ihm jedoch nicht zugänglich. er gab den einsatzbefehl und wies gleich einmal zwei seiner leute an, mich zu verhaften. ich wurde unsanft in einen käfigwagen verbracht, identifiziert und fotografiert, während die restlichen einheiten den platz stürmten und noch weitere rund zehn leute zum teil sehr gewaltsam verhafteten. wir verbrachten dann rund eine halbe stunde zusammengepfercht im gefängniswagen. danach – offenbar hatte das ausländerfeindliche trio entschieden, genug demonstriert zu haben – wurden wir wieder freigelassen.

was wir daraus lernen? dass es zwei arten von meinungsfreiheit gibt. die menschenfeindliche demonstriert unter polizeischutz. die andere wird abgeführt.

Kinder des Drogenkrieges

Der brasilianische Rapper MV Bill und sein Produzent Celso Athayde haben neun Jahre lang 17 junge Drogenhändler in verschiedenen Favelas des Landes begleitet, deren Alltag für eine Doku gefilmt und das sensationelle Buch „Falcão – Meninos do Tráfico“ (Falke – Kinder des Drogenhandels) verfasst. Von den 17 Jungs sind 16 bereits tot, erschossen von der Polizei oder von verfeindeten Drogenbanden. Keiner von ihnen hat das 18. Lebensjahr erreicht. Der einzige Überlebende träumt nun davon, Zirkusclown zu werden.

Der Drogenkrieg ist Alltag für die Millionen BrasilianerInnen, die in den Armensiedlungen der Städte wohnen; die Bandenmitglieder sind größtenteils Jugendliche ohne Ausbildung und Perspektive, die Todesopfer fast alle unter 24 Jahre alt. Auch „meine“ Favela, 150 Meter gegenüber meiner Wohnungstüre, erschüttert nachts oft unter Maschinengewehrsalven. In solchen Momenten bin ich froh, dass mein Schlafzimmer auf der abgewandten Seite der Wohnung liegt – im letzten Juli hat einmal eine Kugel die Fensterscheibe meiner damaligen Wohnung durchschlagen und landete auf dem Bett meines Mitbewohners. Zum Glück war er nicht zuhause.

Diese Woche war anlässlich der Doku eine Podiumsdiskussion mit einem ehemaligen Trafikanten („traficante“ heißt auf Portugiesisch Dealer), der durch eine Polizeikugel queschnittsgelähmt ist, dem Soziologieprofessor Luiz Eduardo Soares und der Chefin des Drogendezernats der Zivilpolizei, Marina Maggessi, die ich vor zwei Jahren schon mal in einem Artikel über Rios Drogenkrieg zitiert habe. Maggessi hat in ihrer Laufbahn die größten Drogenbosse und hunderte kleine Dealer zu Fall oder hinter Gitter gebracht. Heute sagt sie: „Genützt hat das gar nichts. Im Gegenteil: Das Gefängnis ist eine Monsterfabrik. Und für jeden getöteten Dealer kommen zwei nach. Das Problem ist die soziale Ausgrenzung, der Mangel an Wahrnehmung durch die Gesellschaft, der fehlende Dialog.“ Sie zitiert das Beispiel Porto Alegre, wo durch Partizipationsprozesse, an denen auch Polizei und FavelabewohnerInnen beteiligt waren, die Anzahl der Morde um 40 Prozent reduziert werden konnte. „Ich habe gelernt, mit der Pistole umzugehen, aber heute ist meine stärkste Waffe das Wort.“

Angesichts der Tatsache, dass allein in Rios größter Favela pro Woche drei Millionen Euro Gewinn mit dem Verkauf von Kokain und Marihuana gemacht werden, wird es allerdings mehr als Worte brauchen. Zu viele – Händler, korrupte Polizisten und Politiker – verdienen an der Tatsache, dass der Verkauf und Konsum von Drogen kriminalisiert und in damit in die Schattenwirtschaft gedrängt wird.

We have orders to kill you

Ein Afrikaner, der mit einer Österreicherin verheiratet ist und mit ihr zwei Kinder hat, sollte dieser Tage per Flugzeug nach Gambia abgeschoben werden. Nachdem sich ein couragierter Pilot jedoch weigerte, den Mann gegen seinen Willen mitzunehmen, wurde dieser von Polizeibeamten in eine Lagerhalle verbracht, krankenhausreif geprügelt und mehrfach mit der Ermordung bedroht (unbedingt lesenswert: das Vernehmungsprotokoll).

Amnesty-Chef Heinz Patzelt nennt das eine „Bestrafungsaktion, wie man sie eigentlich nur aus südamerikanischen Staaten kennt“. Es stimmt, dass solche Übergriffe z.B. hier in Brasilien fast an der Tagesordnung sind. Das führt dazu, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung darüber bewusst ist, dass die Staatsgewalt eine Bedrohung und nicht der Freund von Demokratie und Grundrechten ist. In Europa glauben viele noch an das Christkind.

Kriegsrecht in Europa

„There is only one sure way to stop a suicide bomber – destroy his brain instantly, utterly. That means shooting him with devastating power in the head, killing him immediately“, kommentiert Londons Polizeichef John Stevens die Erschiessung des unschuldigen Brasilianers Jean Charles Menezes durch Polizisten. Auch Bürgermeister Ken Livingstone, ein erklärter Gegner des Irakkrieges, rechtfertigt die „Shoot-to-kill-policy“ im Kampf gegen den Terror.

Schließlich hätten die Polizisten nicht wissen können, ob der für die Jahreszeit zu warm gekleidete Mann nicht einen Bombengürtel getragen habe, gibt auch Österreichs Ex-Innenminister Caspar Einem die „Berufssituation von Polizisten“ zu bedenken. Kann man ja nie wissen, oder? In den Online-Leserforen wird bereits argumentiert, dass sich der Brasilianer halt rascher ans britische Wetter anpassen hätte sollen.

Wer seinen mangelnden Integrationswillen in die europäische Gesellschaft durch zu warme Kleidung, nicht sofortiges Reagieren auf Zurufe von Polizisten und womöglich noch dünklere Hautfarbe unter Beweis stellt, muss also künftig damit rechnen, als potenzieller Selbstmordattentäter eine ins Hirn geblasen zu kriegen. Instantly, utterly, with devastating power, yeah!

Polizisten ermorden 30 Unschuldige

Im Norden Rios haben Polizisten am Donnerstag innerhalb einer Stunde 30 Menschen wahllos erschossen, weil sie sich dafür rächen wollten, dass acht ihrer Kollegen verhaftet worden sind. Sie sind in Bars reingegangen und haben gezielt alle Anwesenden per Kopfschuss ermordet, darunter fünf Jugendliche, die in einer Bar Videospiele gespielt haben. Der Jüngste war 13 Jahre alt.

Präsident Lula hat eine Woche Staatstrauer ausgerufen. Wegen dem Pabst.