Von allen guten Geistern verlassen: Regierungsprecher beschimpft Twitterer als „Jubelperser“

Daniel Kapp, Sprecher von von ÖVP-Vizekanzler Josef Pröll, liefert sich schon seit geraumer Zeit mit seinem Alter Ego, Kanzlersprecher Leo Szemeliker sandkastenartige Scharmützel auf dem Kurznachrichtendienst Twitter – vor den Augen der zunächst erheiterten, mittlerweile aber zunehmend genervten Online-Community.

Nun hat ersterer offenbar in einer Art kindlichem Kränkungsanfall die Fassung verloren und beginnt den Sand aus der Kiste zu werfen. Als erstes auf den Journalisten und Blogger Robert Misik (siehe dessen Weblogeintrag). Und weil ich und zwei weitere Twitteranten – beides offenbar junge, politisch interessierte Bürger – das als unwürdiges Schauspiel empfinden, beschimpft der Regierungssprecher uns nun taxfrei als „Jubelperser“ – also jene Leute, die zum Teil als Agenten des iranischen Geheimdienstes mit Holzlatten auf Studenten einprügelten, die 1967 gegen die diktatorische Herrschaft des Schahs im Iran demonstrierten.

kapp

Nun kann man das, angesichts des oft flapsigen Stils auf Twitter, als halblustige Kinderei abtun. Wenn aber ein Sprecher eines österreichischen Regierungsmitglieds so leicht zu kränken ist, dass er schon wegen eines nichtigen Anlasses die eigenen BürgerInnen öffentlich unter der Gürtellinie angreift, dann ist das nicht nu „zuviel der Bürgernähe“, wie Blogger Helge Fahrnberger richtig anmerkt, sondern ein Übergriff, der wieder einmal die verrottete Moral dieser Regierung im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung zeigt.

6 Antworten auf „Von allen guten Geistern verlassen: Regierungsprecher beschimpft Twitterer als „Jubelperser““

  1. Wahnsinn! Die Leute als „Jubelperser“ bezeichnen! Dabei sind sie viel schlimmer. Jammern wenn mal einer seine Meinung (über Twitter!) kund tut! Es braucht ja keiner den Regierungssprecher der ÖVP (sic!) abonieren.
    Finde diese Aufregung lächerlich!

  2. lieber gerhard: erstens erzähle ich nicht die halbe wahrheit sondern habe alle relevanten tweets verlinkt. aber vor allem: selbst wenn florian daniel kapp als dämlich bezeichnet hätte (was er nicht hat, sondern dessen aussage), berechtigt das noch nicht einen regierungssprecher einen bürger auf tiefstem niveau zu beschimpfen. als sprecher eines hohen amtsträgers gehört es zum jobprofil, persönliche kränkungen im öffentlichen interesse hintan zu stellen. da bin ich konservativ 😉

  3. zur Klarstellung: ich habe Herrn Kapp nicht beschimpft! ich habe lediglich seinen Kommentar, den er zu Robert Misiks Blogeintrag schrieb, als „dämlich unreflektiert“ bezeichnet. Zitat (http://bit.ly/6Q2ImG): „super Antwort von @misik auf den dämlich unreflektierten Kommentar von @danielkapp http://bit.ly/6j2CZf #ÖFailP“ Wie Klaus Werner-Lobo hier richtig erwähnt, zeigt das einmal mehr wo sich diese Bundesregierung moralisch befindet. Auf Kritik wird mit persönlichen Untergriffen geantwortet. Und ganz einfach, wer die ÖVP kritisiert ist klarerweise ein Linker (http://bit.ly/5urk5l). Was lerne ich daraus? Lt. Kapp bin ich ein linker Jubelperser – ein Paradoxon, das kaum die ÖVP in ihrem derzeitigen Regierungskurs zu überbieten schafft.

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