narrenfrei-Podcast #1 mit Stefanie Sargnagel

Heute habe ich ein neues Projekt gestartet: Einen Podcast über Träume und Sehnsüchte, über Humor, Mitgefühl und Scheitern, über Politik und die größte aller Freiheiten: Die Narrenfreiheit.

Mein erster Gast ist die wunderbare Künstlerin Stefanie Sargnagel. Mit ihr habe ich über die Befreiung des Mannes durch das Matriarchat geredet, über den Umgang mit Kränkungen durch Medien und Online-Shitstorms, über Macht und Humor – und warum sich Männer vor lustigen Frauen fürchten.

Im Gespräch über Ambivalenzen im Umgang mit politischer Korrektheit haben wir unsere eigenen Sexismen und Rassismen hinterfragt, wozu das blöde Facebook gut ist, warum auf Twitter so viele narzisstische Journalisten unterwegs sind und Armin Wolf Julia-Engelmann-Videos zeigt. Außerdem hat mir Steffi verraten, wen und was sie liebt.

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Schwanz macht geil!

Danke für die Aufmerksamkeit. Wetten, dass dieses Posting hohe Klickraten kriegt (die höchsten auf diesem Weblog hat übrigens das da)? Sex sells! Warum also nicht auch Wahlwerbung damit machen?

Das dachte sich zumindest die Junge Wiener ÖVP, als sie ihre aktuelle „Schwarz & machtgeil“-Wahlkampagne entwarf. War das nicht die Partei, die immer am Lautesten gegen jede Art von aufklärerischem und lustvollem Zugang zu Sexualität und gegen gleiche Rechte für alle Liebenden agitiert? Prüderie macht notgeil – und sexistisch.

Was das ganze mit Politik zu tun hat sehen wir hier:

Genau. Nix. Oder doch? Schauen wir uns doch mal das offensichtliche Vorbild für die Wiener Kampagne an:

Wer jetzt noch immer nicht geil genug ist, dem sei der sexy „Christine Marek Rap-Song“ der Wiener ÖVP-Spitzenkandidatin ans Herz gelegt:

Schwanz macht doof – wenn man ihn anstelle des Hirns verwendet.

dieStandard-Zitrone an Air Berlin & Playboy

Die Online-Zeitung dieStandard.at verleiht regelmäßig die „Zitrone“ für besonders schwere Fälle sexistischer Ignoranz. Diesmal geht sie an die Fluglinie Airberlin, in deren Bordservice, wie hier berichtet, Wixvorlagen inkludiert sind (ich krieg übrigens jede Menge Google-Treffer für dieses schöne Wort). Begründung der Redaktion: Es sei für Passagiere beiderlei Geschlechts nicht zumutbar, in einem öffentlichen (und derart engen) Verkehrsmittel mit einem Sitznachbarn konfrontiert zu werden, der sich gerade genüsslich über die Darstellungen im Playboy hermacht.

Außerdem zeigt sich die Autorin nach meinem Briefwechsel mit dem Chefredakteur des feministischen Fachmagazins für bildnerische Kunst und Fotografie erstaunt darüber, „wie jemand mit einer derart unerotischen Auffassung über den Playboy als Chefredakteur desselben Blattes hervorgehen konnte“.

dieStandard.at bringt aber noch einen weiteren wesentlichen Aspekt in die Diskussion ein – das Kulturding:

Die Flugbegleiterin verweist nicht etwa auf die Menschenwürde von Frauen oder das Wohl der Passagiere im Allgemeinen, wenn sie den provozierenden Autor maßregelt, der das Playmate des Monats an die Bordwand gepinnt hat. Ihr Argument lautet: „Hier reisen immerhin auch Angehörige von Kulturen, die sich durch solche Abbildungen gestört fühlen könnten.“ Schmortte wiederum findet in seiner Replik „eher jene Kulturen, die ihre Frauen unter den Schleier zwingen, wirklich frauenfeindlich.“

Das Argument der Flugbegleiterin liest sich wie die Ausrede einer Frau, die nicht als verklemmt dastehen will und obendrein die Politik der Geschäftsführung nicht in Frage stellen darf. Das Argument des Playboy-Chefs hingegen wie das Scheinargument eines Mannes, der den Unterschied zwischen Hochglanz-Erotik und Körperpolitik nicht auseinanderhalten kann. Wie praktisch, dass es inzwischen dieses Kulturding gibt: Es lässt sich nahtlos in jede sich auftuende Sprach-Lücke stopfen

Post von Playboy

weil ich die billigfluglinie airberlin wegen der verteilung von wixvorlagen an board kritisiert habe, hat mir nun der chefredakteur des aufklärerischen hochglanzmagazins playboy eine e-mail geschickt:

Lieber Klaus Werner-Lobo,

Sie haben Recht. Im Playboy sehen Sie nackte Frauen – wie übrigens auch in der Londoner Tate Gallery oder im Museum of Modern Arts. Und ich habe noch nie gehört, dass sich dort Besucher über Aktbilder beschweren würden – sei es als Gegenstand in der bildnerischen Kunst oder im Bereich der Fotografie. Man kann ein Bild als schön oder weniger schön empfinden – aber Nacktheit per se als diskriminierend zu betrachten, würde unsere Kunstgeschichte um einen wichtigen Gegenstand berauben. Wirklich frauenfeindlich finde ich eher jene Kulturen, die ihre Frauen unter den Schleier zwingen.

Nun gut, das ist natürlich Ansichtssache. Aber ein Magazin wie den Playboy als „Herren- “ (rund 15 Prozent der Käufer sind übrigens weiblich) oder noch schlimmer als „Sexmagazin“ zu bezeichnen, das ist schlichtweg falsch. Nur ein Beispiel: Wenn unsere Reporter über Al Basrah berichten – die größte Ölplattform im Persischen Golf – auf der die Feinde von gestern heute gemeinsam Wache schieben, die US-Marines Seite an Seite mit den ehemaligen Soldaten Saddam Husseins, dann ist das eine Geschichte, die auch den „Stern“ oder den „Spiegel“ schmücken würde. Das gilt im übrigen für viele unserer Geschichten – auch für den Report über die Monsterdroge Methamphetamin in dem von Ihnen zitierten Heft.

Wenn Sie Playboy lesen würden, würden Sie viele solcherThemen entdecken. Aber scheinbar halten Sie es ja lieber mit dem Máximo Líder Fidel Castro – auch wenn Kuba neben Nordkorea die Freiheit der Medien stärker unterdrückt als alle anderen Länder dieser Welt. Aber auch das ist natürlich Geschmackssache. Ich lebe nun mal lieber in einem Land, dass Freiheit definiert als die Freiheit des Andersdenkenden.

Insofern, danke für Ihre Kritik.

Herzlichst

Ihr Stefan Schmortte
Chefredakteur

Ich habe zurückgeschrieben:

lieber stefan schmorrte,

danke für ihre e-mail. ich habe allerdings mit keinem wort die abbildung nackter frauen in ihrem magazin kritisiert oder nacktheit per se als diskriminierend betrachtet. ich würde sogar jederzeit offensiv dafür eintreten, dass erwachsene menschen die freiheit haben sollen, sich nackt bzw. in aufreizenden posen fotografieren zu lassen oder sich an solchen abbildungen ästhetisch bzw. sexuell zu erbauen.

freiheit endet aber dort wo die freiheit anderer eingeschränkt wird. was ich airberlin – und nicht ihrem magazin – vorwerfe, ist die tatsache, dass die fluglinie z.b. alleinreisenden frauen, kindern und anderen fluggästen zumutet, diese abbildungen auch dann zu konsumieren, wenn sie sich dadurch gestört fühlen. oder im schlimmsten fall sogar neben jemandem zu sitzen zu kommen, der sich an solchen abbildungen aufgeilt. ich denke sie sind realistisch und feinfühlig genug um zu wissen dass eine solche situation für betroffene in jedem fall sehr unangenehm ist. und wenn nicht: warum wurde ich dann von der airberlin-mitarbeiterin aufgefordert, die playmate von der bordwand zu nehmen?

ps: übrigens halte ich es nicht mit fidel castro, ich halte aber auch nichts davon mit dem gesundheitszustand anderer billige späßchen zu treiben, auch wenn das journalistische flachwurzler wie die macher des airberlin-magazins tun.

mit herzlichen grüßen
klaus werner-lobo

übrigens: wer sich über das foto oben links wundert – das ist ausgleichende gerechtigkeit, künstlerische freiheit oder was immer man will…und würde durchaus auch den „stern“ oder den „spiegel“ schmücken…

airberlin-Bordservice mit Wixvorlage

Von Wien nach Berlin zu fliegen ist natürlich ökologischer Wahnsinn. Dass es auch noch um ein Vielfaches billiger ist, als mit dem Zug zu fahren, ist politisch gewollte Idiotie. Doch solche Bedenken sollen zumindest heterosexuelle männliche Fluggäste der Billigfluglinie airberlin nicht plagen.

Wer sich an der  Jubelmeldung über den trüblichen Gesundheitszustand des máximo lider („Kuba libre ohne Fidel“) im airberlin-Magazin nicht genug aufgegeilt hat, kann dort auch zum Herrenmagazin Playboy greifen.

Was ich natürlich tat und eilfertig auch gleich die Playmate des Monats der allgemeinen Erbauung zuführte, indem ich sie bestimmungsgemäß an die Bordwand gepostert habe.

Die etwas ausführlicher bekleideten Stewardessen reagierten zunächst mit irritiertem Wegschauen. Erst gegen Ende des Fluges kam die Chefstewardess auf mich zu und bat mich, das Poster wieder abzunehmen: „Hier reisen immerhin auch Angehörige von Kulturen, die sich durch solche Abbildungen gestört fühlen könnten.“

Der Meinung bin ich auch.

Ganz abgesehen davon, dass weiblichen oder schwulen Fluggästen von airberlin keine entsprechenden männlichen Anschauungsobjekte angeboten werden: Wie fühlen sich wohl alleinreisende Frauen, wenn sich männliche Sitznachbarn bei airberlin-Flügen an Sexmagazinen ergötzen? Das möchte ich airberlin fragen. Und hier über allfällige Reaktionen berichten.