Menschen im Gespräch: Interview mit Radio Wien

Barbara Thürschmid hat mich für die Sendung „Menschen im Gespräch“ auf Radio Wien über meine Arbeit interviewt. Das sehr schöne Gespräch gibt’s hier oder auf Apple Podcasts zum Nachhören:

 

Klaus Werner-Lobo ist ein Wiener Autor, Coach, Trainer für Persönlichkeitsentwicklung und er ist Clown. In seinen narrenfrei-Workshop hilft er Menschen hinter die eigene Maske zu blicken und zeigt wie man seine Träume verwirklichen kann.

„Der Narr, das ist einer, der eine der größten menschlichen Ängste verloren hat: die Angst vor der eigenen Lächerlichkeit. Durch das Annehmen der eigenen Schwäche und Verletzlichkeit befreit er sich von inneren und äußeren Zwängen, kann echte Verbindungen zu Mitmenschen aufbauen und selbstbewusst handeln. Wer sich nicht davor fürchtet sich lächerlich zu machen, wer nichts mehr zu verlieren hat, der fürchtet sich vor gar nichts mehr – kennt keine Angst vorm Scheitern, keine Scham und keine Konventionen. Und wer sich nicht fürchtet, der wird gefährlich. Deshalb bin ich Clown geworden.“

Dieser Text steht auf der Rückseite von Werner-Lobos neuestem Buch „Frei und gefährlich – die Macht der Narren“. Das Buch entführt unter anderem nach Brasilien, in seine 2.Heimat, dort wo er Clown geworden ist. Dort wo er von vielen berühmten und außergewöhnlichen Clowns lernen durfte. Das was Clowns am besten können: Scheitern ohne Angst und weitermachen! Der Autor erzählt über seinen persönlichen Weg, über sein Scheitern, und er nimmt den Narren in verschiedensten Kulturen genau unter die Lupe. In „Menschen im Gespräch“ erzählt Klaus Werner-Lobo unter anderem auch über seine Workshops, die er für kleine Gruppen, aber auch für große Teams anbietet.

Achtsamkeit und Narrenfreiheit: Retreat im September 2020

Vier Tage lang Narrenfreiheit und Achtsamkeit erleben und erlernen: Vom 16.-20. September am Werkhof Bistrica im wunderschönen Südkärnten.

Beim narrenfreɪ˙– Retreat lernen wir mithilfe spielerischer Übungen, uns so zu akzeptieren und zu zeigen wie wir wirklich sind. Mit unseren Stärken und Schwächen und unserer Verletzlichkeit. Wir lernen, unserer Intuition zu vertrauen und achtsam mit uns selbst, miteinander und mit unserer Umwelt umzugehen.

Umgeben von Wiesen, Wäldern, Bergen und Bächen blicken wir hinter die Masken des Alltags und laden die Clowngeister zu uns ein. Wir überwinden die Angst vor dem Scheitern und gewinnen Selbstbewusstsein und Narrenfreiheit: Die Freiheit von belastenden Denkmustern und Rollenbildern. Die Freiheit, über uns selbst lachen zu können. Die Freiheit, uns und anderen mit Großzügigkeit, Humor und Mitgefühl zu begegnen und miteinander und mit der Welt in Verbundenheit zu leben.

Was machen wir da?

Ankunft und Begrüßung am Mittwoch (16.9.) abends. Für die Anreise werden wir Fahrgemeinschaften bzw. eine Abholung vom Bahnhof Bleiburg organisieren.

Von Donnerstag bis Sonntag starten wir mit einfachen Meditationsübungen in den Tag. Dabei ist es völlig egal, ob du bereits Erfahrung mit Meditation hast oder nicht. Immer aufs Neue geht es beim Meditieren darum, das Hier und Jetzt mit allen Sinnen zu erfassen. Danach folgen Workshopeinheiten mit spielerischen Übungen in der Gruppe und einer humor- und liebevollen Auseinandersetzung mit individuellen Verhaltensmustern, die letztlich in der Akzeptanz einer simplen Tatsache mündet: Du wirst niemals jemand anderer sein als du bist.

Wir werden aber auch beim gemeinsamen Einkaufen und (vegetarischen/veganen) Kochen, beim abendlichen Zusammensitzen und bei Ausflügen in die Umgebung „Narrenfreiheit“ praktizieren – also Qualitäten wie Akzeptanz, Achtsamkeit, Ehrlichkeit, Großzügigkeit, Sensibilität und Humor.

Dazu gibt es auch Zeit sich zurückzuziehen, Yoga oder Musik zu machen, zum Baden, Bergwandern, Radeln, Saunen, Lagerfeuer usw.

Außerdem gibt es diesmal die Möglichkeit, sich in einem Ritual mit der Urwaldmedizin Rapé, einer Art Schnupftabak aus verschiedenen Heilpflanzen des Amazonasvolkes der Huni Kuin, mit den Kräften der Natur zu verbinden.

Ende ist am Sonntag nach dem Mittagessen.

Ziele

  • Selbst bewusst sein Stärkung von Selbstvertrauen, Selbstironie, Achtsamkeit, Humor, Intuition, Mitgefühl, Kreativität, Beziehungsfähigkeit und Präsenz
  • Gut leben Spielerische Überwindung von Kränkungen, Ängsten und Verlusterfahrungen
  • Bühne frei Angstfreies und charismatisches Auftreten. Selbstbewusste und liebevolle emotionale Verbindung im privaten und beruflichen Umfeld oder vor Publikum.

Der Seminarort

Der Werkhof Bistrica ist ein wunderschöner hundert Jahre alter, komfortabel eingerichteter Hof in einer kleinen Ansiedlung inmitten der Natur mit großem, hellen Seminarraum und Garten sowie einem kühlen Bach neben dem Haus. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Petzen und andere Berge, mit dem Fahrrad gelangt man in einer Stunde an den Turnersee.

Kosten: Bei Buchung bis 31.3.2020 480,-, danach 580,- Euro inkl. USt. plus Übernachtung.

Übernachtung: Im Vierbettzimmer 112,-, im Doppelzimmer 140,- Euro, im Einzelzimmer 176,- Euro für vier Nächte. 10% FrühbucherInnen-Rabatt (100,-/126,-/158,-) bis 31.3.2020!

Im Preis enthalten sind Bettwäsche, Handtücher, Saunabenutzung sowie Mountainbikes für Ausflüge. Außerdem Kaffee, Tee, Wasser und Saft untertags. Dazu kommt noch die Verpflegung – zu einem großen Teil Biogemüse, das wir sehr günstig vom Naturhof Tomažej beziehen werden. 

50% Rückerstattung bei Stornierung bis 60 Tage vor Workshopbeginn, danach ist keine Rückerstattung möglich.

Maximal 18 Personen. Workshop für psychisch und körperlich gesunde Erwachsene, keine Vorkenntnisse nötig.

Kann als Gruppenselbsterfahrung für Lebens- und SozialberaterInnen angerechnet werden.

Team

Klaus Werner-Lobo lebt als Autor, systemischer Coach und Persönlichkeitstrainer in Wien. Er hat internationale Bestseller zum Thema Globalisierung und Menschenrechte sowie das Buch „Frei und gefährlich – Die Macht der Narren“ verfasst, war Kulturpolitiker, hat in Rio de Janeiro Schauspiel studiert und bei weltweit erfolgreichen Clowns wie Leo Bassi, Jango Edwards, Avner Eisenberg, Philippe Gaulier und Sue Morrison gelernt. Lehraufträge an der Donau-Universität Krems, am Kolleg für Sozialpädagogik, bei den Pioneers of Change, dem ÖGB u.a.

Ulrike Wagner arbeitet als Sozialwissenschaftlerin, Bildhauerin und Meditationslehrerin; Thomas Silmbroth ist Erlebnispädagoge und Fachmann für Projektmanagement und Teamentwicklung. Gemeinsam gestalten sie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen am Werkhof Bistrica in einem liebevollen und achtsamen Ambiente künstlerisch-kreative und pädagogisch-bildnerische Projekte. Zentrale Prinzipien sind dabei Erfahrungslernen und eine prozessorientierte Begleitung im Einklang mit der Natur.

Weitere Infos per Email oder telefonisch: +43 664 2537755

narrenfrei-Podcast #7 mit Hosea Ratschiller

Hosea Ratschiller ist Schauspieler, Kabarettist, Kolumnist, Satiriker, Moderator und Radiomacher. Aber auch ein gleichermaßen sensibler und scharfsinniger Analytiker und Ankläger der aktuellen politischen Verhältnisse. Im narrenfrei-Podcast reden wir über Komik und was diese mit Schamlosigkeit und dem Riskieren der eigenen Souveränität zu tun hat.

Wir sprechen über die Sehnsucht nach Liebe und Zugehörigkeit und über den politischen Nutzen von Humor. Hosea findet eine interessante Erklärung für den Aufstieg der Rechten und das Versagen der Linken und äußert sogar den Verdacht, dass Politik als Beruf nichts für Menschen wie mich sei, die ein Problem mit Parteiräson haben. Möglicherweise hat er recht.

Links

http://www.hosearatschiller.at Homepage von Hosea Ratschiller

Das im Podcast besprochene Facebookposting

Updates zu neuen Podcastfolgen und zu meinen Workshops kriegt ihr, wenn ihr hier (ganz unten auf der Seite) den narrenfrei-Newsletter abonniert oder der narrenfrei-Gruppe auf Facebook beitretet.

Außerdem könnt ihr den Podcast auch auf Itunes, Spotify usw. sowie als RSS-Feed abonnieren.

Um ehrlich zu sein bin ich Clown

Als Clown „Muamba“ in Rio

Drei mal zwei Meter, mein Zimmer. Links der Schreibtisch, rechts offener Koffer mit allem was ich habe, ich auf der Matratze, verschwitzt, Deckenventilator, nasses Leintuch, Viecher auf dem Boden und an der Wand, eigentlich überall. Und dann das Jucken in den Augen. Zuerst nur Jucken, dann wie Sandkörner auf der Netzhaut. Bindehautentzündung, da helfen keine Medikamente, man kann nur Sonnenbrille aufsetzen, aushalten und warten. Nach drei Wochen ist es vorbei.

Was nach drei Wochen nicht vorbei war, war die Einsamkeit. Das Gefühl des Gescheitertseins. Das Gefühl der größte Loser zu sein. Mein Herz war verletzt, ich war verlassen worden und konnte niemanden mehr wirklich lieben und liebte mich selbst am Allerwenigsten.

Mittags ging ich meist allein essen, wirkliche Freunde hatte ich keine. Las Zeitung. Rio de Janeiro, Oktober 2004. Ein Interview mit dem Clown Marcio Libar. Clowns waren für mich damals einerseits Zirkus- oder Kinderclowns mit roten Nasen, die mehr oder weniger lustige Dinge taten und in ihrem zwanghaften Drang lustig sein zu müssen schon auch mal eher unangenehm werden konnten. Andererseits hatte ich ein All-Time-Lieblingsbuch, Ansichten eines Clowns von Heinrich Böll, ihr kennt das: die Story eines sehr unglücklichen, nicht beziehungsfähigen, ziemlich selbstmitleidigen Clowns. Mit dem ich mich leider volle Pulle identifizieren konnte. So sehr, dass ich ab meinem 22. Lebensjahr mit »Clows« unterschrieb. Da hatte ich das Buch zum zweiten Mal gelesen und hörte am liebsten Tom Waits. Mein Grundzustand war die Einsamkeit mit einem gewissen Hang zum melancholischen Pathos, und so wie Bölls Protagonist Hans Schnier fühlte auch ich mich unverstanden und schrieb Zitate wie dieses in mein Tagebuch: »Ich glaube, es gibt niemanden auf der Welt, der einen Clown versteht, nicht einmal ein Clown versteht den anderen.« Und: »Unter Glück, das länger als eine Sekunde, vielleicht zwei, drei Sekunden dauert, kann ich mir nichts vorstellen.«

Clows. Traurig, aber klug. So klug, dass ich mich für was Besonderes hielt. So klug, dass mich meine Klugheit oft unglücklich machte, dass ich oft jene beneidete, die in ihrer Dumpfheit einfach in den Tag hineinlebten, sich nix schissen und einfach nahmen, was sie brauchten. Und ich: unglücklich, aber wenigstens was Besonderes. Und 15 Jahre später, als 37-Jähriger nach einer gescheiterten Beziehung in Brasilien gelandet, und immer noch der gleiche Depp.

Mit Márcio Libar 2004 in Rio de Janeiro

Mir gefiel das Interview, mir gefiel, was dieser Libar, ein Afrobrasilianer meines Alters aus den Suburbs von Rio, über Clowns sagte: »Der Clown ist derjenige, der fällt, der scheitert, der verliert … und immer wieder aufsteht. Deshalb lieben wir Clowns wie Charlie Chaplin: weil sie etwas zeigen, was wir selbst verstecken, wofür wir uns selbst genieren – dass wir selbst, jeder und jede von uns, immer wieder fallen, scheitern, verlieren, ein ganzes Leben lang.« Das traf. Ich fühlte mich wie gesagt als der größte Loser ever, und das klang nach Aussicht auf Versöhnung. Versöhnung mit mir selbst.

Ich lebte zu diesem Zeitpunkt schon ein gutes halbes Jahr in Rio, hatte ein Buch über Politik und Menschenrechtsverletzungen durch internationale Konzerne geschrieben, das es zum Weltbestseller gebracht hatte, damit viel Geld verdient und keine Ahnung, was ich in Zukunft machen wollte. Mein Erfolg als Autor und meine Bekanntheit zu Hause hatten mein Ego genährt, aber instinktiv merkte ich, dass mir dieses Ego, die – wenn auch erfolgreiche – Suche nach Anerkennung im Weg stand, mich daran hinderte befriedigende und tragfähige Beziehungen aufzubauen. Ich verstand mich als rebellischen, widerständigen Menschen, der einen Gutteil seiner Energie aus der Kritik an den politischen Verhältnissen bezog, wusste aber gleichzeitig, dass dieser Widerstand auch ein Widerstand gegen meine eigenen Verhältnisse, meine bürgerliche Herkunft, mein Land, meine Nazigroßeltern, die Widersprüchlichkeit, sie trotz ihrer politischen Überzeugung geliebt zu haben, gegen meine Erziehung und meine damit verbundenen Ängste war: Die Angst vor dem Verlust von Anerkennung, die Angst, gesellschaftliche Erwartungen an meine anerzogenen Bilder von Männlichkeit, Erfolg und Stärke nicht zu erfüllen und deshalb nicht geliebt zu werden. Nicht als der, der ich war: ein sensibler, nachdenklicher, selbstzweifelnder und sehr liebesbedürftiger Mittdreißiger. Sondern allenfalls für das, was ich konnte: schreiben, diskutieren, argumentieren, aufbegehren, Konflikte suchen und mich mit Mächtigen – als Kind mit Eltern und Lehrern, später mit Politikern und Konzernen, mit dem »System« – anlegen.

Daher erregte der zweite Teil des Interviews meine Aufmerksamkeit:

Der Archetyp des Clowns umfasst den ewigen Kampf zwi­schen Autorität und Rebellion. In jedem von uns steckt ein Autoritärer und ein Rebell. Seit­ dem der Mensch in Gemeinschaft mit anderen lebt, existiert dieser Konflikt: Der Konflikt zwischen dem, der du wirklich bist, und demjenigen, der so ist wie es die Gesellschaft von dir erwartet. In diesem Widerspruch liegt unser existenzieller Kampf: Stehe ich auf oder bleibe ich im Bett? Esse ich noch ein Stück Kuchen oder halte ich Diät? Küsse ich jemand anderen oder bleibe ich treu? Wir befinden uns in einem ständigen Konflikt: mein Körper ist an die Schwerkraft gebunden, während meine Seele frei fliegen möchte. Der Clown lebt genau in der Mitte dieses Konflikts, in die­sem Widerspruch. Deshalb blickt er oft in die eine Richtung und geht in die andere – und schlägt sich die Nase rot. Er hat immer zwei Blickrichtungen, zwei Ziele. Er will die Welt auf den Kopf stellen.

Das wollte ich auch! Einige Wochen später besuchte ich einen Wochenend-Workshop bei Marcio Libar, der zumindest mal mein Leben auf den Kopf stellte. Weil ich mich an diesem Wochenende zum ersten Mal als den Menschen sah (und von anderen sehen ließ), der ich war, und nicht als denjenigen, der ich glaubte sein zu müssen. Und weil ich mich an diesem Wochenende zum ersten Mal vollständig und geliebt fühlte, vollständig geliebt, allen voran von mir selbst. Und weil ich an diesem Wochenende beschloss, den Weg zu mir selbst und darüber hinaus bis zu Ende zu gehen – und darüber hinaus.

Als Messdiener mit Leo Bassi im Wiener Orpheum

Ich studierte Schauspiel in Rio und reiste zu den weltbesten Clowns um von ihnen zu lernen: Von Leo Bassi, Jango Edwards, Philippe Gaulier, Avner Eisenberg, Sue Morrison und vielen anderen. »Clowns are not funny, people are funny«, sagt Jango.

Wir lachen über gute Clowns nicht deshalb, weil sie so lustig sind. Wir lachen über sie, weil wir unser eigenes Scheitern, unsere eigenen Widersprüchlichkeiten, unsere eigene Lächerlichkeit in ihnen wiedererkennen. Lachen ist nichts anderes als eine spontane Muskelentspannung: Es entspannt uns, wenn sie zeigen, was wir selbst aus Scham verbergen. Wenn sie uns den Narrenspiegel vorhalten, in dem wir unsere Leiden, unsere Verluste, unsere Ängste erkennen, aber ohne die damit verbundenen Kränkungen und Schuldzuweisungen.

Jango Edwards mit „Frei und gefährlich“

»Clown is innocence after experience«, sagt die Kanadierin Sue Morrison, die in der Tradition indigener sacred clowns unterrichtet: Ich kenne und akzeptiere alle meine Persönlichkeitsanteile, auch die dunklen, und gebe weder mir noch anderen Schuld dafür. Und genau diese Akzeptanz macht echte Verbindung möglich: Zu mir, zu anderen, zum Universum.

»Du wirst nie je­mand sein, der du nicht bist.«, so Jango Edwards. »Uns Clowns geht es darum, Menschen zu helfen, und um anderen Menschen helfen zu können musst du zuallererst dir selbst helfen: Du musst wissen, wer du bist, und du musst ehrlich sein. Das ändert dein Leben.«

Mit dem indigenen Clown (Hotxuá) Ahprac Krahô in Brasilien

Viele Jahre später erzählte mir Marcio Libar von einer Begegnung mit dem brasilianischen Sänger Caetano Veloso. Auf einer Party hatte er ihm auf die Frage nach seiner Tätigkeit geantwortet: »Ich bin Schauspieler. Aber, um ehrlich zu sein, bin ich Clown.« Und Caetano sagte: »Um ehrlich zu sein, bist du Clown? Du bist Clown, um ehrlich zu sein!«

Mit dem Globalisierungskritiker Christian Felber beim Theaterstück „A Hetz“

Und ich? Ich bin Autor, Coach, Persönlichkeitstrainer, Vortragsredner, Schauspieler, Expolitiker, Vater und sonst noch einiges. Aber: Um ehrlich zu sein, um wirklich ehrlich zu sein, bin ich Clown.

Der Beginn dieses Texts stammt aus meinem Buch „Frei und gefährlich. Die Macht der Narren“ (Benevento Verlag 2016).

Willst du auch erleben, wie es sich anfühlt die Masken fallen zu lassen und dich als die oder den kennenlernen und akzeptieren, die oder der du wirklich bist? Dann melde dich jetzt für den nächsten narrenfreɪ˙-Workshop oder für ein individuelles Coaching an!

Mach dich doch lächerlich!

„Wer es erstens schafft, sich selbst anzunehmen, und zweitens die Angst vor der eigenen Lächerlichkeit verliert, ist Werner-Lobo überzeugt, wird vieles gewinnen“, schreibt das Kund_innenmagazin von DM active beauty über „Frei und gefährlich – Die Macht der Narren in seiner aktuellen Ausgabe:

„Vor allem ein großes Maß an Freiheit. Die Freiheit, sich weder verstellen noch verrenken zu müssen. Damit gibt man dem anderen automatisch zu spüren: Nimm mich so, wie ich bin, mit all meinen guten und schlechten Seiten, oder lass es bleiben. Die Scheu davor zu verlieren, die eigene Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit zu zeigen, wirkt befreiend. Der Schlüssel dabei ist laut Werner-Lobo, nicht nach Anerkennung zu haschen, sondern seinen Emotionen zu folgen.“

To Jango with Love

Jango Edwards erhielt heute aus der Hand von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. Wer Jango kennt wird sich nicht wundern, dass Festakt etwas anders verlief als normalerweise: Für die Ehrenzeichenkanzlei, aber auch für Kameraleute und manch andere Anwesende war Jangos Auftritt eine, sagen wir mal, Herausforderung.

Hier die Laudatio, die ich auf Jangos Wunsch halten durfte. Auch meine Rede begann etwas ungewöhnlich: Mit nix. Also zumindest erstmal nicht mit Reden.

This is about power. This is about freedom. This is about love. This is about things that Jango Edwards has given to us.

One of the lessons I learned from Jango is that you don’t have to do nothing to get all that.

I did nothing now, I just gave myself the freedom to do nothing – and I got all your attention. And you can believe me, it’s hard to do nothing, it takes a lot of courage to just stand here doing nothing. And I got all your attention. Maybe I should do that in the next session of the Gemeinderat. I’m sure I will get an Ordnungsruf, a call for obedience. „To Jango with Love“ weiterlesen

Frankfurter Rundschau: „Aus Freude am Subversiven“

Die Frankfurter Rundschau hat mich für ihre Samstagsausgabe porträtiert:

Klaus Werner-Lobo
Aus Freude am Subversiven

Von Kathrin Hartmann

Vom Café aus schaut man über eine Piazza, eingerahmt von einem Parkdeck und Ikea. Das ist Europark, Salzburgs größtes Einkaufszentrum, 130 Läden, 300 Millionen Umsatz im Jahr. Klaus Werner-Lobo läuft entschlossenen Schritts über den Platz, der Wind spielt mit seiner Strubbelfrisur, man kann ihn schon von Weitem grinsen sehen. Er stellt seinen Koffer ab, sieht sich um und sagt: „Eh ein passender Rahmen.“

Werner-Lobo ist Journalist und Autor des Standardwerks der Globalisierungskritik: „Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne“. Das investigativ recherchierte Buch (mit Co-Autor Hans Weiss) belegt, dass der Profit von Konzernen, deren Produkte den Alltag westlicher Konsumenten bestimmen, auf Menschenrechtsverletzung und Umweltzerstörung gründet: Adidas, Aldi, Bayer, Coca Cola, Danone, H&M, Nestlé, Ikea, Shell und andere. Es erschien 2001; kurz zuvor war beim G-8-Gipfel in Genua der Demonstrant Carlo Giuliani von der Polizei erschossen worden. Das Buch, jüngst in sechster Auflage und zum vierten Mal aktualisiert erschienen, wurde mehr als 150.000 Mal verkauft.

Heute hat der Österreichische Gewerkschaftsbund den 43-Jährigen für einen Auftritt gebucht – im Theater im Einkaufsparadies. Später wird Werner-Lobo einen Schlapphut tragen und eine karierte Hose, die er sich bis fast unter die Achseln zieht: „Ich bin der Klaus. Und wie heißt´s ihr?“, wird er aus dem Lichtkegel fragen und Lacher ernten. Er wird nach einer albernen Tanzeinlage erklären, wie sich Ölkonzerne an den Bodenschätzen Nigerias bereichern, eines reichen Landes, in dem die Menschen in bitterer Armut leben. Und wie die Menschen in einem verzweifelten Kraftakt nach Europa fliehen und weggeschickt werden. „Das ist so, wie wenn ich zu meinem Nachbarn geh´, seinen Kühlschrank leer räume und mit seinem Bier eine Party mache. Und wenn mein Nachbar mitfeiern will, schmeiß´ ich ihn raus.“

Es ist nichts Wehleidiges in seiner Stimme, sondern Wut. Witz. Leidenschaft. Das Publikum, das er angriffslustig ansieht, weiß nicht recht: Darf man das lustig finden? Manche lachen verhalten. Für Werner-Lobo ein Erfolg: Er will keine Lachsalven, sondern Irritation. Er hat diese Dinge oft in ernsten Vorträgen erzählt. „Das ließ die Leute manchmal mit einem Ohnmachtsgefühl zurück, das ich doch bekämpfen will.“ Der Clown sei Sinnbild des Unperfekten: „Die eigene Lächerlichkeit zeigen baut Distanz ab. Sie sollen denken: Wenn der Trottel das kann, kann ich das auch.“ Darum geht es ihm: „Wer lacht, hat keine Angst. Wer keine Angst hat, ist gefährlich für jene, die mit ihrer enormen Wirtschaftsmacht die Welt beherrschen.“

Eigentlich, sagt er, hätten ihn Clowns nie interessiert. In Rio, wo er einige Zeit lebte, überzeugte ihn ein Interview mit einem politischen Clown: „Keine Figur verkörpert so sehr das Scheitern. Der glückliche Loser – der ist das Gegenteil unseres gesellschaftlichen Ideals, der widersetzt sich dem Wettbewerb, er ist subversiv.“

In Rio lernte der Österreicher die Schauspielerei und ließ sich zum Clown ausbilden, unter anderem bei Leo Bassi und Jango Edwards. Die Freude am Subversiven, die Wut auf die Mächtigen ist Werner-Lobos Antrieb. „Ich weiß, dass die Unternehmen Millionen verlieren, wenn ihr Image angekratzt ist. Das macht mir einen Riesenspaß, denen die Profite zu verhageln. Wie einem Kind, das eine Sandburg kaputt haut.“ Kein Konzern, dessen Machenschaften Klaus Werner-Lobo aufdeckte, hat ihn verklagt – aus Angst vor weiterem Imageverlust.

So irritiert und provoziert er auch im Alltag: Als die Erzdiözese Wien Hinweise zu einer Seligsprechung der österreichischen Kaiserin Zita sammelte, schrieb er den Kirchenmächtigen: Nach dreimaliger Anrufung Zitas habe sein von Verstopfung gequälter zwei Monate alter Sohn einen prächtigen Stuhlgang fabriziert – und erhielt prompt ein Dankesschreiben. Und als im März die SPÖ in Wien das Bettelverbot in der Innenstadt beschloss, organisierte er einen bunten Flashmob aus lauter Bettlern.

Klaus Werner-Lobos Auffassung von Widerstand und Humor stößt nicht nur auf Begeisterung. Globalisierungskritiker betitelten ihn als „Nestbeschmutzer“, sagt er: „Diese Überzeugung ,Wir sind die Guten – das hat schon sektenartige Züge. Davon lasse ich mich nicht vereinnahmen.“ Neuerdings kandidiert er aber, obwohl parteilos, für die Wiener Grünen. Deren Chefin Maria Vassilakou hatte eine Rede gehalten, nachdem ein Mann in Abschiebehaft gestorben war, eine kompromisslose, antirassistische, systemkritische Rede. „Da standen mir die Tränen in den Augen. Ich dachte, wenn die so was sagt, dann passt da einer wie ich auch dazu.“

Am Ende der Show verteilt Werner-Lobo Luftschlangen, die Stimmung ist gelöst, das Publikum jubelt. Draußen im Einkaufszentrum spielt eine spanische Folklore-Band. Menschen stehen drumherum, es ist kurz vor Ladenschluss, ihre Gesichter sehen erschöpft aus. Man möchte ihnen gern eine Luftschlange schenken.