Mein erster Schultag

seit montag steh ich fast jeden tag um 7 auf und geh in die schule. im unterricht hüpfen und tanzen wir, schneiden grimassen, schärfen die sinne und sagen zungenbrecher auf. das macht riesenspaß, aber man muss sich sehr konzentrieren und aufpassen dass man nicht lacht, weil es eine schauspielschule ist. die lehrer reden viel über liebe, wahrheit und aufmerksamkeit, und über die zerstörerische kraft von wettbewerb, konsum und konkurrenzdenken.

almir telles, mein professor für interpretation, sieht aus wie bruno ganz und ist tabulos ehrlich. alle paar minuten schneien ex-studierende vorbei, um ihn freudig zu begrüßen.

mir ist in brasilien schon öfter aufgefallen, dass schülerInnen und studierende ein extrem gutes verhältnis zu ihren lehrenden haben. ich glaub ich versteh jetzt warum: die machen das richtig gerne, was sie machen, und sie verlangen von uns nicht mehr und nicht weniger als dass wir auch das machen, was wir richtig gerne machen, und dafür hundert prozent geben.

ich steh gern auf um 7. auch das ist eine premiere.