jetzt.de: Zum Beispiel Rinderzucht – Kühe, die subventionierten Klimakiller

jetztde Was haben Adidas, Aldi, BMW, Carrefour, Clarks, Gucci, Honda, IKEA, Lidl, Makro, Nike, Reebok und Timberland mit Kühen zu tun? Und was mit dem Klimawandel? Sie alle wurden diese Woche von Greenpeace beschuldigt, zu einem erheblichen Teil mitschuld an der Abholzung brasilianischer Regenwälder zu sein.

Der Grund: Sie alle profitieren in der einen oder anderen Form von der Viehzucht im Amazonasgebiet. Und die ist, so Greenpeace, einer der größten Klimakiller der Welt. Vor allem, weil dafür – meist illegal – Tropenwälder für Weideflächen gerodet werden. Bis vor kurzem war es vor allem McDonald’s, der als weltgrößter Fleischverbraucher zuerst wegen der Rinderzucht und später wegen der Futtermittelgewinnung für Rinder in Form von Sojaplantagen für die Abholzungen verantwortlich gemacht wurde. Durch öffentlichen Druck konnte Greenpeace die Fastfoodkette dazu zwingen, wenigstens in den ökologisch sensibelsten Gebieten auf Rodungen zu verzichten.

Aldi, Lidl und Makro hingegen verkaufen laut Greenpeace noch immer Fleisch von illegalen Farmen im Amazonasgebiet. Und der Rest der genannten Firmen profitiere vom Leder der dort gezüchteten Tiere, so die Umwelschützer in ihrem aktuellen Bericht Slaughtering the Amazon. Das werde nämlich zum Großteil nach China, Italien und Vietnam. Und dort lassen die großen Marken dann auch für den europäischen Markt produzieren.

Brasilien ist nach China, den USA und Indonesien der viertgrößte Treibhausgas-Emittent der Welt. Drei Viertel der brasilianischen Emissionen sind auf die Zerstörung des Amazonas-Urwaldes zurückzuführen. Bis zum vergangenen Sommer wurden 74 Millionen Hektar komplett vernichtet – fast ein Fünftel der ursprünglichen Fläche. 80 Prozent davon werden für die Viehzucht genutzt. Auf vielen Farmen herrschen sklavereiähnliche Arbeitsverhältnisse. Allein 2008 wurden in Brasilien 1.600 SklavInnen befreit.

Im Vorjahr exportierte Brasilien Rindfleisch im Wert von 5,1 Milliarden und Leder im Wert von 1,9 Milliarden Dollar – Tendenz steigend. Die Rinderzucht – und damit auch der Fleischkonsum bei uns – ist aber nicht nur wegen der Waldvernichtung problematisch. Ein Fünftel der brasilianischen Ackerfläche wird bereits für den Anbau von Tierfutter für die EU-Länder verwendet. „Die Rinder der Reichen essen das Brot der Armen“, lautet deshalb ein Spruch, der die Situation realistisch beschreibt.

1,3 Milliarden Rinder werden auf der ganzen Welt für die Fleischgewinnung gemästet. Rund die Hälfte des weltweiten Getreideanbaus ist der Viehfutterproduktion vorbehalten – das sind jährlich 600 Millionen Tonnen. Würde man dieses Getreide nicht für die Fleischgewinnung, sondern als Lebensmittel nutzen, könnten damit zehnmal soviele Menschen ernährt werden. Man bräuchte also lediglich ein Zehntel der landwirtschaftlichen Fläche, um genauso viele Menschen täglich satt zu machen.

Der Fleischkonsum in den reichen Industrieländern ist also die Hauptursache für den Hunger der Armen. Außerdem tragen die Viecher auch selbst zum Klimawandel bei. Der Grund: Rinderfurze. Also das Methangas, das den Mägen der Wiederkäuer während der Verdauung entweicht. Man schätzt, dass das von Nutztieren ausgeschiedene Methan gemeinsam mit überdüngten Feldern für 18 Prozent der Treibhausemissionen verantwortlich ist. Rechnet man die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen hinzu, steigt der Anteil sogar auf über 30 Prozent. Etwa 85 Prozent der Klimabelastung durch die Landwirtschaft entfallen auf die Fleischproduktion. Jedes Tier stößt pro Tag rund 100 bis 200 Liter Methan aus, was über 4.000 Gramm Kohlendioxid entspricht. Das wiederum ist ungefähr so viel, wie ein durchschnittlicher Geländewagen auf einer Strecke von 70 Kilometern verursacht. Die EU fördert diese Entwicklung noch mit hohen Subventionen: zwei Euro werden täglich für jede Kuh ausgegeben, also mehr Geld, als der Hälfte der Weltbevölkerung zum Leben zur Verfügung steht.

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